In Japan nennen ihn konservative Kritiker und Schriftstellerkollegen „batakusai - nach Butter stinkender Wessi“, die anderen halten ihn für den Literaturnobelpreisträger der Zukunft. Haruki Murakami polarisiert mit seinen Geschichten und Romanen. Wie seine Helden entzieht er sich der anonymen Masse. Seine Romanfiguren werden in der japanischen Gesellschaft, in der angepasstes Verhalten von existentieller Bedeutung ist, als einsame Wölfe gebrandmarkt. Der 30-jährige Toru Okada in „Mister Aufziehvogel“ steigt aus einer Anwaltskanzlei aus und gerät bei der Suche nach seinem Kater mitten in Tokio in eine Traumwelt, in der ihn erotische Verlockungen, aber auch bösartige Intrigen erwarten. Der Brunnen, der Toru den Einstieg in die geheimnisvolle Unterwelt gewährt, ist Zugang zu Vergangenem und Verdrängtem.
Zielińska-Elliott Anna Bücher




Als Tengo seinen komatösen Vater im Krankenhaus besuchen will, findet er in dessen Krankenbett eine ›Puppe aus Luft‹ vor, die ein Abbild Aomames als junges Mädchen in sich birgt. Er greift nach ihrer Hand, und eine unsichtbare Verbindung entsteht. Fortan wartet Tengo darauf, der Puppe nochmals zu begegnen, doch vergebens. War das Signal nicht stark genug, um die zwischen Leben und Tod schwankende Aomame zu retten? Unterdessen setzt die gefährliche Sekte alles daran, um den Mord an ihrem ›Leader‹ aufzuklären. Aomames Spur wird von einem so unheimlichen wie unangenehmen Agenten aufgenommen. Er ermittelt mit tödlicher Präzision, doch schließlich bringt er mehr in Erfahrung, als gut für ihn ist … Im dritten Teil des Epos beweist Murakami erneut aufs Eindrucksvollste, dass sich die Schraube des gnadenlos packenden Erzählens immer noch etwas weiter drehen lässt. Auch die jüngste Episode seines größten Werks wird Sie mit dem Wunsch zurücklassen, diese unfassbare Geschichte möge niemals enden.
Blinde Weide, schlafende Frau
Erzählungen
In seinen Erzählungen entfaltet Haruki Murakamis Zauberkraft: Zwei verliebte Teenager betrachten im Zoo ein Känguru und entdecken in dessen Jugend sich selbst. Auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch streitet ein Mann mit dem Türhüter über das Passwort. Ein Rollstuhlfahrer verwickelt einen Touristen in eine verstörende Auseinandersetzung über Messer und die geheime Mechanik von Familien. Ein Nachtwächter entwickelt nach einer Begegnung mit einem Geist Scheu vor Spiegeln. Murakamis Geschichten sind erfüllt von Wundern und Absurditäten, die lange im Gedächtnis bleiben. Zwischen Geschichtenerzählern, Ehebrechern und menschenfressenden Katzen eröffnen sich verborgene Welten. Der Kafka-Preisträger von 2006 gewinnt aus scheinbar unbedeutenden, alltäglichen Details – geschmolzene Pralinen, ein Zootier, ein Ohrwurmwort – Einblicke in fremde Universen, die seltsam vertraut erscheinen. Wer seine Storys liest, gleitet in rätselhafte, melancholische Träume, aus denen er verändert erwacht. Dieser Band enthält Erzählungen wie „Blinde Weide, schlafende Frau“, „Birthday Girl“, „Das New Yorker Grubenunglück“, „Der Spiegel“, „Känguruwetter“ und viele mehr. Murakamis Roman „Naokos Lächeln“ wurde 2010 unter dem Titel „Norwegian Wood“ verfilmt.
Der Elefant verschwindet
- 186 Seiten
- 7 Lesestunden
Ein leises, surreales Buch. In einer fast naiven Sprache berichtet Murakami von unscheinbaren Begegnungen, die seltsam genug sind, um die Protagonisten aus ihrem Alltag zu werfen, in dem sie sich ohnehin nie richtig wohl gefühlt hatten.