Discours de la servitude volontaire
- 144 Seiten
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Étienne de La Boétie war ein französischer Philosoph und Schriftsteller, der als Begründer der modernen politischen Philosophie in Frankreich gilt. Er ist vor allem als enger Freund von Michel de Montaigne bekannt. Sein Werk beeinflusste maßgeblich das anarchistische Denken. La Boéties Schriften befassen sich mit Themen wie Naturrecht und Freiheit.






Französisch-Deutsch
Der Titel „Freiwillige Knechtschaft“ regt zum Nachdenken an: Wer wählt schon freiwillig die Unfreiheit? Étienne de La Boétie, der Autor, sieht darin keinen Sinn, da die Unterdrückten zahlenmäßig überlegen sind. Er fragt sich, wie tyrannische Herrschaftsverhältnisse entstehen und lange bestehen können. In seinem um 1548 verfassten Text, der erst nach seinem Tod im späten 16. Jahrhundert veröffentlicht wurde, analysiert La Boétie die Ursachen für diese Unterwerfung. Er untersucht die Macht der Gewohnheit und die Faszination, die von Herrschaft ausgeht, und wie sie die Massen beeinflusst. Seine Analyse ist radikal; er unterstellt den Unterdrückten, dass sie nicht an der Unterwerfung interessiert sind. Vielmehr zeigt er, dass politische Befreiung darin besteht, das eigene Freiheitsbegehren zu erkennen. Herrschaft kann nicht nur durch Gegengewalt überwunden werden. Die neu übersetzte, kommentierte Edition in der Philosophischen Bibliothek macht diesen heimlichen Klassiker der politischen Philosophie der Neuzeit erstmals in einer wissenschaftlichen deutschen Ausgabe zugänglich.
Ins Deutsche übertragen von Gustav Landauer
Der Discours von La Boétie untersucht, wie Menschen freiwillig Tyrannei akzeptieren. Er fragt, warum ein Tyrann Macht über die Bürger hat und betont, dass Unterdrückte oft selbst zur Unterdrückung beitragen. Der Text wird durch Kommentare von Landauer und Nettlau ergänzt, die die Thematik weiter vertiefen.
"Für dieses Mal will ich nur untersuchen, ob es möglich sei und wie es sein könne, daß so viele Menschen, so viele Dörfer, so viele Städte, so viele Nationen sich manches Mal einen einzigen Tyrannen gefallen lassen, der weiter keine Gewalt hat, als die, welche man 16 ihm gibt; der nur soviel Macht hat, ihnen zu schaden, wie sie aushalten wollen; der ihnen gar kein Übel antun könnte, wenn sie es nicht lieber dulden als sich ihm widersetzen möchten." Gröls-Klassiker (Edition Kleine Klassiker)