Als Einzelkind hat Philippe es schwer. Schmächtig und unauffällig ist er nicht der talentierte Sohn, den seine sportbegeisterten Eltern sich wünschen. In seinen Tagträumen hat er einen großen Bruder, der ihm jedoch nicht helfen kann. Mit 15 Jahren enthüllt Louise, eine enge Freundin der Familie, ein lange gehütetes Geheimnis: Die Grimberts sind Juden und haben das Leben im besetzten Paris nicht unbeschadet überstanden, wie sie Philippe glauben machen wollen. Langsam wird er an die verdrängte Vergangenheit herangeführt, in der sein imaginärer Bruder tatsächlich existiert hat. Fast 50 Jahre später beschließt Philippe Grimbert, die bewegende Geschichte seiner Familie aufzuschreiben. Sein preisgekrönter autobiographischer Roman, ein Bestseller in Frankreich, erzählt aus der Sicht eines Nachgeborenen die dramatische Geschichte seiner jüdischen Familie, die mit Verlust und Schuld umgeht, indem sie sich anpasst und schweigt. Grimbert fordert eine Konfrontation mit der Vergangenheit, damit die Lebenden die Last der Geschichte tragen können und die Toten nicht ein zweites Mal getötet werden. "Als Einzelkind hatte ich lange Zeit einen Bruder. Schöner als ich, stärker als ich."
J. A. Versteeg Bücher



Im Jahr 632, in Medina, mit dem Tod des Propheten Mohammed, beginnt dieses Buch. Siebzehn Frauengestalten aus den ersten Jahrzehnten des Islam erweckt Assia Djebar zum Leben. Fatima, die geliebte Tochter des Propheten, die es wagt, ganz Medina herauszufordern und auf ihren Teil der Erbschaft zu pochen - undenkbar bislang für eine Frau; Aischa, die Gattin Mohammeds, die mehr und mehr zur Übermittlerin von Gottes Wort wird und zur Hüterin der Erinnerung; die jemenitische Königin, die einen falschen Propheten ausschaltet; Selma, die Beduinenfürstin, die ihr Heer gegen den Islam führt; Sadja, die Dichterin, die davon träumt, selbst Prophetin zu werden. Die Spuren all dieser Frauen hat Assia Djebar in den klassischen Chroniken der islamischen Tradition gesucht und gefunden, oft nur durch ein Wort, eine Zeile, einen Satz angedeutet. Sie gibt ihnen wieder Gestalt und Stimme, erzählt ebenso poetisch wie realistisch von ihrer Macht, ihren Kämpfen, ihrer Liebe und ihren Abenteuern.
"Was gibt's Neues vom Krieg?„ Eigentlich nichts, denn er ist zum Glück vorbei. Es ist das Jahr 1946. In der Damen-Konfektions-Schneiderei von Monsieur Albert in Paris sind alle froh, dass Frieden ist und die Deutschen endlich aus Frankreich verschwunden sind. Man kann wieder in Ruhe arbeiten, ja, man kann sogar lachen. Am besten, man fragt einfach: “Was gibt's Neues vom Krieg?", und es kommen die merkwürdigsten Dinge. Einer nach dem anderen füllt diesen Roman mit der Geschichte eines geretteten Lebens: Da sind der Patron und seine Frau, Madame Lea, mit den beiden Kindern Raphael und Betty. Da sind die beiden Näher: Abramowitz, der das Lager überlebt hat und den sie Abramauschwitz nennen, wenn sie besonders gute Laune haben, und Charles, der schweigt und seine Brille putzt. Dieses Buch erzählt die Geschichte einer Handvoll gezeichneter Menschen. Sie sind glücklich, die eigene Haut gerettet zu haben, benommen von der Katastrophe, deren Ausmaß sie nur erahnen.