Was ist Erziehung?
- 388 Seiten
- 14 Lesestunden
Karl Jaspers, ursprünglich Mediziner und Psychiater, wandte sich der Philosophie zu, um sich mit den tiefgreifenden Fragen der menschlichen Existenz und Psychopathologie auseinanderzusetzen. Seine frühe Arbeit revolutionierte die psychiatrische Diagnostik, indem sie die biografische Methode betonte und Symptome im Lebenskontext des Patienten analysierte, anstatt sich nur auf deren Inhalt zu konzentrieren. Dieser Ansatz prägte die moderne psychiatrische Praxis maßgeblich. Später erweiterte seine philosophische Forschung diese Themen, untersuchte existentielle Anliegen und etablierte ihn als bedeutenden Denker im europäischen intellektuellen Diskurs.







Textauswahl u. Zusammst. v. Saner, Hans 415 S. Neu: 9597 603 N.-A.
Kann es in einer Massengesellschaft wie der unseren noch Freiheit und Individualität geben? Droht in Zeiten der Übertechnisierung der Verlust von Gemeinschaft und schlussendlich gar die Selbstvernichtung der Menschheit? Diesen auch heute relevanten Grundfragen menschlichen Seins widmet sich Karl Jaspers in den beiden hier vorliegenden Texten. Freiheit, so Jaspers, lässt sich nur im Miteinander verwirklichen, die Aufgabe der Philosophie ist es, die Freiheit zu denken. So ist es der Mensch mit seinem Selbst- und Weltverhältnis, der bei Jaspers im Mittelpunkt steht.
Bei Jaspers’«Einführung in die Philosophie» und der «Kleinen Schule des philosophischen Denkens», die hier ediert und kommentiert werden, handelt es sich um zwei Einführungen, wie sie für Jaspers typisch sind: keine akademischen Lehrbücher, sondern Texte im Vollzug eigenen Philosophierens. Freilich beansprucht dieses Philosophieren, mit der einen und ewigen Philosophie besser vertraut zu machen als jede chronologische oder systematische Überblicksdarstellung. Als Vortragszyklus für das Radio bzw. Fernsehen konzipiert, decken die Texte ein breites Spektrum philosophischer Fragestellungen in allgemein verständlicher Sprache ab, die auf philosophischen Fachjargon weitgehend verzichtet. Für den Stellenkommentar berücksichtigt der Herausgeber auch im Nachlass erhaltene Originalmanuskripte und Typoskripte: Thematisch einschlägige Textpassagen, die für die jeweilige Vorlesung zwar vorgesehen waren, aufgrund der festen Sendezeiten aber ausgespart werden mussten, werden ebenfalls dokumentiert. Bei größerem Umfang werden diese als Anhänge wiedergegeben, so etwa ein Text über Winston Churchill.
Dieser Band enthält fünf Vorlesungen aus dem Jahre 1935. Sie gehören zu den wichtigsten Fundamenten der Philosophie von Karl Jaspers. 1. Herkunft der gegenwärtigen philosophischen Situation (Die geschichtliche Bedeutung Kierkegaards und Nietzsches) 2. Das Umgreifende 3. Wahrheit als Mittelbarkeit 4. Vorrang und Grenzen vernünftigen Denkens 5. Die Möglichkeiten gegenwärtigen Philosophierens
Die Frage nach dem Menschen, die Karl Jaspers während seiner gesamten Forschungstätigkeit aus verschiedenen Perspektiven untersucht hat, wird von Hans Saner in diesem gelungenen Querschnitt durch Jaspers' Werk treffend aufgegriffen. Die Auswahl der Werke und die Anordnung der Texte überzeugen, ebenso die einleitenden Kommentare, die dem Leser eine schnelle Orientierung bieten. Der Titel steht für die zentrale Frage in Jaspers' Werk, während der Untertitel auf seine methodische Forderung hinweist, dass Philosophie ihre Wahrheit erst durch das aufrichtige Bemühen um Anleitung zum eigenen Nachdenken gewinnt und somit für alle verständlich sein sollte. "Eine Philosophie, die an die Freiheit des Einzelnen appelliert", schreibt Saner, "muss der Möglichkeit nach alle Menschen erreichen können." Diese Philosophie erfordert eine Sprache, die nicht ausgrenzt, sondern Kommunikation fördert. Der Arrangeur hat es geschafft, den Kern der Jaspers'schen Philosophie auf weniger als 400 Seiten klar herauszustellen, ohne unzulässige Verkürzungen vorzunehmen. So wird das Werk des verehrten Lehrers in einem umfassenden und zugänglichen Format präsentiert.
Eine Auswahl aus seinem Werk
Karl Jaspers vertrat ein Denken, das die Wirklichkeit verstehen lehrt und das aus diesem Verstehen die Menschen verändert. Daher ist seine Philosophie auch heute noch so modern. In diesem Band sind Auszüge aus seinem Werk versammelt, die als Denkanstöße dienen sollen. Die Auswahl vermittelt einen Überblick über das Jasperssche Denken, das ausgeht von den existenziellen Erfahrungen des Menschseins und den Denkprozess als unendliche Aufgabe sieht.
Es war eine philosophische Aufgabe, eine Weltanschauung zu entwickeln, die sowohl wissenschaftliche Erkenntnis als auch Lebenslehre umfasst. In diesem Buch wird jedoch der Versuch unternommen, die letzten Positionen der Seele und die sie bewegenden Kräfte zu verstehen. Die faktische Weltanschauung bleibt dem Leben überlassen. Anstatt konkrete Antworten darauf zu geben, wie man leben sollte, bietet das Buch Klärungen und Möglichkeiten zur Selbstbesinnung. Wer nach direkten Antworten sucht, wird enttäuscht sein, da das Wesentliche der persönlichen Entscheidungen verborgen bleibt. Es richtet sich an Menschen, die beginnen, sich zu wundern, über sich selbst zu reflektieren und die Fragwürdigkeiten des Daseins zu erkennen. Es spricht diejenigen an, die das Leben als persönliche, irrationale Verantwortung erfahren. Das Buch bietet Orientierungsmittel und appelliert an die freie Geistigkeit und Aktivität des Lebens, ohne jedoch zu versuchen, das Leben zu schaffen oder zu lehren. Es ist das Ergebnis der Selbstbesinnung in einer Zeit des Umbruchs und erscheint nun, nach fast zwei Jahrzehnten der Abwesenheit, unverändert in neuer Auflage.
Die These von einer Achsenzeit in der Weltgeschichte Die zentrale Annahme dieses Buches ist die universalgeschichtliche These von einer Achsenzeit (880-200 v. Chr.) in der Weltgeschichte, in der voneinander unabhangig in China, Indien und dem Abendland strukturell ahnliche kulturelle Revolutionen und Aufbruche erfolgt sind. Inwieweit diese Aufbruche fur das kulturelle Leben in der Gegenwart weiterhin bedeutsam sind, wird heute in kulturwissenschaftlichen Disziplinen wie der Religions- und Kultursoziologie, der vergleichenden Kulturtheorie, der Theorie der Moderne u.a. neu diskutiert. Neben der These von der Achsenzeit wird in Vom Ursprung und Ziel der Geschichte u.a. der Stellenwert von Wissenschaft und Technik in der Moderne erortert; es werden Uberlegungen uber eine mogliche Welteinheit (im Sinne eines Weltfriedenszustandes) angestellt sowie zeitgeschichtliche Tendenzen in der Politik (z.B. Totalitats- und Planungsideologien) kritisiert, die im Gegensatz zu Jaspers' liberalem Ethos der Freiheit und der Humanitat stehen.
German
Das Buch ist eine Ausarbeitung des gleichnamigen Rundvortrags, den Karl Jaspers im Herbst 1956 hielt. Angeregt durch zahlreiche Zuschriften und Fragen der Hörerschaft, behandelt es auch nach fast sechzig Jahren weiterhin die existierende Bedrohung eines Krieges mit Atomwaffen. Jaspers' Werk bietet nach wie vor relevante Anregungen zu diesem Problem. Er thematisiert scharf die grundlegende Problematik: die Konfrontation zwischen Demokratie und Totalitarismus. Jaspers' Aufforderung, dass es auf jeden Einzelnen ankommt, ist auch für unsere heutige Gesellschaft von Bedeutung. Weltfrieden kann nicht nur technisch gesichert werden; Voraussetzung ist die Wandlung jedes Menschen zu einem Wesen, das sich der Verbindung von Freiheit und Verantwortung bewusst ist und im Einklang mit der Vernunft nach der Verwirklichung moralischer Werte und des Guten strebt.
Karl Jaspers (1883-1969) ist ein Philosoph von bleibender Aktualität. Viele der hier versammelten Aufsätze zur Philosophie waren zuletzt nur schwer oder überhaupt nicht greifbar. Da Jaspers ohne Jargon schrieb, sind seine Texte gegenwärtig und modern geblieben - vom frühesten Essay über die Einsamkeit (1915/16) bis zum spätesten über das Verhältnis von Philosophie und Mythos (1964).
Dieser Buchtitel ist Teil des Springer Book Archives, das historische Publikationen seit 1842 umfasst. Er dient der Forschung und muss im historischen Kontext betrachtet werden. Aufgrund seiner zeittypischen politischen Ausrichtung wird der Titel nicht aktiv beworben.
Karl Jaspers, einer der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts, betrachtete das Werk Friedrich Nietzsches als das bedeutendste philosophische Ereignis in Deutschland nach dem Abschluss der klassischen Phase der deutschen Philosophie. Neben einer umfangreichen Monografie über Nietzsche setzte sich Jaspers in mehreren weiteren Arbeiten mit dessen Denken auseinander. Dazu gehört auch seine 1938 gehaltene Vorlesung "Nietzsche und das Christentum", die er 1946 für die Buchausgabe überarbeitete. Jaspers thematisiert darin eine der umstrittensten Komponenten von Nietzsches Denken – seine Kritik am Christentum, die auf seiner bekannten Ausgangsthese "Gott ist tot" basiert. Jaspers' Schlussfolgerungen, die auch durch die weitere Entwicklung des europäischen religiös-philosophischen und theologischen Denkens nicht in Frage gestellt wurden, gewinnen gerade in der gegenwärtigen spätmodernen Zeit, die von tiefen Erschütterungen der grundlegenden Säulen der europäischen Kultur geprägt ist, besondere Aktualität.
„Aus den zahllosen Abhandlungen zum Werk Friedrich Nietzsche ragt die Gesamtdarstellung von Karl Jaspers immer noch als einzigartige Leistung heraus. Nietzsche wird als ‚großer Philosoph‘ historisch und systematisch umfassend vorgestellt. Von unverminderter Aktualität ist das souveräne, auf alle verfügbaren medizinischen Daten gestützte Urteil des Psychiaters Jaspers über Nietzsches Krankheit.“ Prof. Dr. Volker Gerhardt
Von der politischen Haftung Deutschlands
Jaspers’ Schrift »Die Schuldfrage«, 1945 konzipiert, erschien schon 1946, als zum ersten Mal die Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschland dem ganzen Volk offenbar wurden. Sie versuchte – unerbittlich und ohne Selbstgerechtigkeit – Nachdenken zu üben, als Entsetzen und Scham in Ratlosigkeit, Schweigen, verborgene Wut umschlugen. Diese Positionsbestimmung von Karl Jaspers war eine erste Antwort auf die These der Siegermächte von der deutschen Kollektivschuld.
Jaspers sieht die moderne Gesellschaft in einem Widerstreit. Sie errichtet sich als Massenordnung zur technischen Daseinsfürsorge einer Vielzahl von Menschen und zerstört damit gleichzeitig jene Welt von Schicksal und Autorität, Vertrautheit, Nähe und Entscheidung, in der eigentliche menschliche Existenz allein möglich ist. Nivellierung und Funktionalisierung des Menschen sind der Preis der Moderne. Politisch sorgt sich Jaspers um das Ausbleiben echten Führertums, von dem allein Reformen des zum Erstarren neigenden Apparats der Daseinsfürsorge zu erwarten sind. Die politischen Bewegungen des Faschismus und des Bolschewismus deutet Jaspers nur am Rande als gefährliche Auswege des Menschen aus der allgegenwärtigen Krise in die Leichtigkeit des Gehorchenkönnens. Zwar schenkt er aktuellen politischen Strömungen und Strukturen nur geringe Aufmerksamkeit, aber die geistige Haltung und persönliche Verantwortlichkeit des Einzelnen implizieren den Abscheu gegen den sich ankündigenden politischen Wahnsinn in Deutschland. Der Staat gilt ihm als Phänomen der Macht. Nachdenklich blickt Jaspers auch auf die Wissenschaften vom Menschen. Für ihre unbestreitbaren Erfolge zahlt der Mensch mit der Verdinglichung seiner selbst. Er wird sich zum Objekt.
Schulen hat es in der Geschichte des Denkens immer wieder gegeben, aber große Freundschaften inter pares waren selten. Vielleicht hat Jaspers in den Zwanzigerjahren geglaubt und später zuweilen noch gehofft, zwischen ihm und Heidegger könnte eine solche Freundschaft heranwachsen. Die »Notizen zu Martin Heidegger« sind der Abgesang dieser Hoffnung: ein »Leierlied« über mehr als drei Jahrzehnte.
Dieses Buch ist die erfolgreichste Einführung in die Philosophie der Nachkriegszeit. Ein klassischer Text eines bedeutenden Philosophen dieses Jahrhunderts. Ausgehend von der Strittigkeit der Philosophie werden in 12 Vorträgen Grundlagen und Bedingungen des Philosophierens entfaltet. Im Anhang werden Lektürevorschläge zum eigenen philosophischen Studium gegeben. (Ec).
Diese sechs Vorlesungen, die Karl Jaspers 1947 in Basel hielt, bilden eine wichtige Ergänzung zu seinen großen Werken. In ungemein klarer Konzeption umreißen sie das Verhältnis der Philosophie zum metaphysischen Glauben und seinen Entartungen wie Dämonenglaube und Nihilismus. Gleichzeitig vermitteln sie in sehr konzentrierter Darstellung die Ausgangspunkte und den Grundgehalt des Jaspers’schen Denkens.
Ein philosophisch politisches Lesebuch
Zur Kritik meiner Schrift Wohin treibt die Bundesrepublik
Politisches Bewusstsein in unserer Zeit
Die "Zeitschrift für Ideengeschichte" fragt nach der veränderlichen Natur von Ideen, seien sie philosophischer, religiöser, politischer oder literarischer Art. Herausragende Fachleute aus allen Geisteswissenschaften gehen in originalbeiträgen der Entstehung, den zahlreichen Metamorphosen, aber auch dem Altern von Ideen nach. Dabei erweist sich manch scheinbar neue Idee als alter Hut. Und umgekehrt gilt es, in Vergessenheit geratene Ideen neu zu entdecken. Die "Zeitschrift für Ideengeschichte" wird von den großen deutschen Forschungsbibliotheken und Archiven in Marbach und Wolfenbüttel, der Klassik Stiftung Weimar, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sowie dem Wissenschaftskolleg zu Berlin gemeinsam getragen. Mögen die Quellen der Zeitschrift im Archiv liegen, so ist ihr intellektueller Zielpunkt die Gegenwart. Sie beschreitet Wege der Überlieferung, um in der Jetztzeit anzukommen; sie stellt Fragen an das Archiv, die uns als Zeitgenossen des 21. Jahrhunderts beschäftigen.
Was kann und soll Erziehung leisten? Karl Jaspers definierte Erziehung und Bildung als große humane und soziale Aufgabe. Dieses Lesebuch stellt seine Äußerungen zur Erziehung zusammen, so dass im Spiegel dieser Gedanken das philosophische Konzept von Jaspers über den Sinn des Erziehens Konturen gewinnt.
Von seinem Hauptwerk, der 'Philosophischen Logik', konnte Karl Jaspers (1883-1969) nur den ersten Band vollenden. Er erschien 1947 unter dem Titel 'Von der Wahrheit'. Die Philosophen Hans Saner, der Verwalter des Jaspers'schen Nachlasses, und Marc Hänggi haben aus Jaspers' Aufzeichnungen die geplanten Folgebände rekonstruiert: eine Kategorienlehre, eine Methodenlehre und eine Wissenschaftslehre. Sie ergänzen 'Von der Wahrheit' zu einer modernen Logik der Kommunikation.
Die Cusanusmonographie von Karl Jaspers reflektiert seine jahrzehntelange Auseinandersetzung mit Nikolaus von Kues' Metaphysik. Jaspers verbindet kritische und wohlwollende Perspektiven auf den Denker und bietet eine überarbeitete Neuauflage mit einem bereinigten Text sowie einer wissenschaftlichen Einleitung und umfangreichem Kommentar.
Die Karl Jaspers Gesamtausgabe umfasst über 50 Bände und vereint alle veröffentlichten Werke des bedeutenden Philosophen des 20. Jahrhunderts. Sie beleuchtet Jaspers' Entwicklung von Psychopathologie zur Existenzphilosophie und behandelt globale philosophische Fragestellungen. Ergänzt durch Einleitungen und Kommentare, bietet sie neue Forschungsansätze.
Auch wenn Jaspers nach 1945 wiederholt betonte, Die geistige Situation der Zeit habe die weltbürgerliche, übernationale Ausrichtung seiner späteren Philosophie vorweggenommen, kann kein Zweifel bestehen, dass die Zeitdiagnose aus dem Jahr 1931 von einem nationalkonservativen Standpunkt aus geschrieben wurde. Das haben schon die Zeitgenossen erkannt und nachgelassene Notizen sowie größtenteils unpublizierte Korrespondenzen bestätigen es hinreichend. In der Endphase der Weimarer Republik übernahm Jaspers die Rolle eines Intellektuellen, der die Wiederaufrichtung der Nation mit dem existenzphilosophischen Appell an den Einzelnen verknüpfte und beides im Begriff der Selbstschöpfung verschmolz. Die 1950 in Heidelberg gehaltenen Gastvorlesungen Vernunft und Widervernunft in unserer Zeit setzen einen anderen Akzent. Nach der NS-Diktatur war eine Identifikation mit Deutschland nicht mehr möglich, die Übersiedlung in die Schweiz 1948 bekräftigte das. Statt von Selbstschöpfung sprach Jaspers nun von der Gründung eines Charakters. Das in diesem kantischen Gedanken zum Ausdruck kommende Selbstverständnis, die existentielle Bindung an Grundsätze der Vernunft, war im Wesentlichen kritisch. Der Anhang des vorliegenden Bandes enthält u. a. das 1931 aus Platzgründen nicht publizierte Literaturverzeichnis für Die geistige Situation der Zeit, das als Quelle kaum zu überschätzen ist.
Karl Jaspers (1883–1969) zählt zu den einflussreichsten Denkern des 20. Jahrhunderts und ist einer der meistübersetzten deutschsprachigen Philosophen. Er war ein prominenter Kritiker der deutschen Nachkriegspolitik. Zunächst konzentrierte sich Jaspers auf Psychopathologie und Psychologie, bevor er sich der Existenzphilosophie und der logischen Begründung der Vernunftphilosophie zuwandte. Später dominierte ein globaler, historisch fundierter Philosophieansatz sein Denken, der den eurozentrischen Rahmen sprengte. Nach 1945 rückten Fragen des philosophischen Glaubens, der Weltgeschichte der Philosophie, der Weltphilosophie und der philosophischen Erhellung der Weltpolitik in den Vordergrund. Die Gesamtausgabe wird alle bereits veröffentlichten Werke sowie eine Auswahl des noch nicht edierten Nachlasses und der Korrespondenz enthalten. Sie wird mit ausführlichen Einleitungen und Kommentaren ausgestattet sein, die bisherige Forschungen zusammenfassen und neue Fragen aufwerfen. Diese Edition wird erstmals den umfassenden Zusammenhang von Jaspers’ Denken aufzeigen, der sich aus seinen Druckschriften, dem Nachlass und den zahlreichen Briefwechseln ergibt.
Briefe des Existenzphilosophen veranschaulichen seine persönlichen und politischen Einsichten. Karl Jaspers (1883 -1969) führte ein Leben in Grenzsituationen, vor allem bedingt durch sein chronisches Lungenleiden. Als Psychiater erkundete er die psychopathologischen Herausforderungen des menschlichen Erlebens. Als Existenzphilosoph suchte er zudem, die geistigen Reaktionen auf biografische und politische Grenzsituationen zu verstehen. Seit der Jugend ging es Jaspers in Briefen an vertraute Menschen darum, seine besonderen Ansichten auf die innere Wirklichkeit der Menschen zur Sprache zu bringen. Mit Martin Heidegger teilte er bis 1933 den Enthusiasmus des Denkens, nach 1945 setzte die Entfremdung zwischen ihnen ein, während Hannah Arendt zur philosophisch vertrauten Gesprächspartnerin wurde. Das offene Gespräch, in das Jaspers mit vielen Zeitgenossen eintrat, zeigt sich in den Briefen an Albert Schweitzer, Ernst Bloch, Golo Mann, Rolf Hochhuth und Rudolf Augstein. Immer bietet er facettenreiche Ansichten, die das eigene Leben und Denken bis 1968 in der Zeitgeschichte philosophisch spiegeln.
Die Aufgabe der Universitat im 20. Jahrhundert Die Fragen nach den Aufgaben, den strukturellen Veranderungen und dem gesellschaftlichen und politischen Stellenwert der Universitat waren fur Karl Jaspers uber 45 Jahre hinweg Gegenstand philosophischer und sozialkritischer Reflexion. Hierfur steht neben 13 veroffentlichten Vortragen, Aufsatzen und Interviews vor allem die 1923 erstmals publizierte, dann 1946 neu konzipierte und zuletzt 1961 gemeinsam mit Kurt Rossmann in die damaligen Reformdebatten eingebrachte Schrift Die Idee der Universitat. Durch die Verortung der Universitat im Kontext von Wahrheit, Freiheit und Frieden avancierten Jaspers' Texte zur Universitatsidee zu einem Pladoyer fur politische Freiheit, Demokratie und Humanismus, das in den aktuellen Diskussionen um Gestalt, Aufgaben und Ziele der Universitat seinesgleichen sucht. Der vorliegende Band versammelt erstmals samtliche von Jaspers selbst veroffentlichten Texte zur Universitat. Der Kommentar gibt Einblicke in inhaltliche Zusammenhange, die zeitgeschichtlichen Kontexte sowie die Genese der einzelnen Schriften. Oliver Immel, geb. 1972, studierte Philosophie, Ethnologie, Anglistik und Soziologie an der Universitat Mainz. Er lehrte als Dozent fur Philosophie an den Universitaten Mainz, Heidelberg, Vechta und Oldenburg und ist wissenschaftlicher Editor der Akademie der Wissenschaften zu Gottingen am Philosophischen Institut der Universitat Oldenburg.
Ein facettenreiches und faszinierendes Portrait des einflussreichen Denkers im regen Austausch mit zahlreichen Geistesgrößen. Der Psychiater und Philosoph Karl Jaspers hinterließ eine große fachliche und persönliche Korrespondenz, die historisch vom Untergang des Kaiserreichs bis in die Zeit der Notstandsgesetzgebung in der Bundesrepublik reicht. Aus den etwa 35.000 überlieferten Briefen von und an Jaspers fügt die dreibändige kritische und kommentierte Edition die wichtigsten epistolarischen Gespräche zu einem Mosaik der jüngeren Philosophie-, Psychiatrie-, Politik- und Kulturgeschichte zusammen und vermittelt ein umfassendes Bild dieses Denkers. Die Briefwechsel mit Hans-Georg Gadamer, Karl Löwith und Rudolf Bultmann stehen neben den Korrespondenzen, die Jaspers mit Heinrich Rickert und Helmuth Plessner führte. Für die Psychiatrie und Psychotherapie herausragend ist der Austausch, den Jaspers - teilweise über Jahrzehnte - mit Ludwig Binswanger, Alexander Mitscherlich, Kurt Schneider und Viktor v. Weizsäcker pflegte. In den politisch-kulturellen Debatten nach 1945 stand Jaspers in gedanklich besonders enger Fühlung mit Dolf Sternberger, Benno Reiffenberg, Golo Mann und Rudolf Augstein. Inhalt: Psychiatrie / Medizin / Naturwissenschaften 978-3-8353-1095-7 Philosophie 978-3-8353-1096-4 Politik / Universität 978-3-8353-1097-1 Alle Bände sind auch einzeln erhältlich.
Diese Auswahl aus dem Gesamtwerk von Karl Jaspers könnte auch den Titel »Jaspers für den Tag« tragen. Mit seiner Philosophie wendet sich Jaspers an jeden Menschen, der bereit ist, mitzudenken, dagegenzudenken und weiterzudenken.