4000 Jahre Männergeschichte als Reigen der Gewalt Im Gegensatz zum Märchen vom Fischer und seiner Frau ist es im ›Butt‹ von 1977 der Mann, der – beraten vom wundersamen Plattfisch – immer höher hinauswill und so Geschichte macht. Die Geschichte reicht von den blutigen Köpfen, die sich die Männer der steinzeitlichen Horden gegenseitig schlagen, bis zu den Interkontinentalraketen unseres Jahrhunderts. 400 Jahre Männergeschichte als sinnloser Reigen der Gewalt werden in der Danziger Bucht vom Autor, Erzähler und unsterblichen Märchenhelden selbst erlebt, während Ilsebill, seine jetzige Geliebte und Partnerin zu allen Zeiten, in Gestalt von neun und mehr Köchinnen für den wirklichen Fortschritt sorgt: die Beseitigung des Hungers. Den abgewirtschafteten Männern und dem Butt eröffnet ein Frauentribunal 1974 in Berlin den Prozeß, denn jetzt wollen die Frauen Geschichte machen. Hoffnung verspricht aber nur die gemeinsame Emanzipation zu etwas Drittem. Und dieses Dritte konkretisiert sich zugleich in einem Kind, das am Anfang des Buches gezeugt und nach neun Kapiteln, der gescheiterten Beziehung der Eltern zum Trotz, unbekümmert geboren wird. Anthony Burgess pries diese »Phantasie« als »eine Feier des Lebens in seiner ganzen krassen Eigenart..., mit der Grass die Deutschen vor den Abstraktionen warnen will, die sie allzu oft im nordischen Nebel umhertappen ließen.«
Peter Kaaij Reihenfolge der Bücher (Chronologisch)


Im Sommer 1647, im letzten Jahr des Dreißigjährigen Krieges, treffen sich in Telgte, einem Wallfahrtsort zwischen Münster und Osnabrück, über zwanzig Dichter, Kritiker und Verleger deutscher Sprache. Eingeladen hat Simon Dach; unter teils abenteuerlichen Umständen, zu Pferd und mit der Kutsche, reisen Gryphius und Paul Gerhardt, Zesen, Harsdörffer, Hoffmannswaldau, der junge Grimmelshausen an. In der Wirtsdiele des Brückenhofs an der Ems lesen sie sich aus ihren Manuskripten vor und reden, \"wenn auch vom Rande her nur, ein politisches Wörtchen\" mit. \"Schließlich war man wer. Wo alles wüst lag, glänzten einzig die Wörter. Und wo sich Fürsten erniedrigt hatten, fiel den Dichtern Ansehen zu. Ihnen, und nicht den Mächtigen, war Unsterblichkeit sicher.\" Sie reden, trinken, essen, stellen auch den Mägden nach; das Ende kommt unvermutet. Das Treffen in Telgte ist Fiktion. Günter Grass erfindet, was hätte sein können, wenn deutsche Barockdichter tatsächlich einmal so zusammengefunden hätten wie dreihundert Jahre später die Gruppe 47. Die Zeitumstände aber, das Ende des Dreißigjährigen Krieges, sind Geschichte, die Lebensläufe der Dichter sind historische Lebensläufe; die barocken Gedichte, Dramen und Romane, von denen die Rede ist, sind uns überliefert. So spielt Das Treffen in Telgte zwischen damals und heute in Zeiten politischer Verwilderung und Wirrnis.