Ukrainische Bibliothek: Am Meer
Ausgewählte Kurzprosa







Ausgewählte Kurzprosa
Klagenfurter Rede zur Literatur 2023
"Diese Essays sind ein Geschenk: Sie öffnen ein Fenster zum Verständnis des Unvorstellbaren, das gerade in der Ukraine geschieht. Ergreifend und analytisch messerscharf führt die Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Tanja Maljartschuk vor, was die kriegerische Expansionspolitik Russlands mit einem Land und seinen Menschen anrichtet. Und das nicht erst seit 2022, sondern seit über einem Jahrzehnt.-Backcover
Von der Bachmann-Preisträgerin Tanja Maljartschuk erzählt ein Roman über den vergessenen ukrainischen Volkshelden Wjatscheslaw Lypynskyj, dessen Leben kunstvoll mit dem der Ich-Erzählerin verknüpft wird. Diese sucht in seiner Vergangenheit nach Spuren, um besser mit ihrer eigenen Gegenwart zurechtzukommen. Eine Frau, die nach unglücklichen Beziehungen und Panikattacken monatelang ihre Wohnung nicht verlässt, findet Orientierung in einer historischen Figur, die für die Ukraine von großer Bedeutung war. Lypynskyj, ein leidenschaftlicher Geschichtsphilosoph und Politiker aus einer polnischen Adelsfamilie in der Westukraine, identifizierte sich früh mit der Ukraine und bestand auf der ukrainischen Form seines Namens. Nach seinem Studium setzte er sich politisch und historisch mit dem zerrissenen Land auseinander und forderte vehement seine staatliche Unabhängigkeit, was ihn durch verschiedene Länder führte und persönliche Opfer kostete. Ähnlich kränklich wie Lypynskyj, folgt die Erzählerin diesem stolzen, kompromisslosen Mann, um der sowjetischen Entwurzelung zu trotzen. Der Roman beeindruckt literarisch und zeigt, was es heißt, wenn die eigene Identität von Angst, Gehorsamkeit und Vergessen geprägt ist.
Bestiář je kniha o lidech z vedlejšího domovního vchodu. Taňa Maljarčuk tu v bravurně komponovaných povídkách čtenáře vtahuje do světa obyčejnosti. A to velmi neobyčejným způsobem: jedním dechem mu totiž do rukou svěřuje i schopnost dotknout se samotné její magie. Každodennost, všednost a jednotvárnost ohledává autorka mistrně, její povídky se ale především výborně čtou, zcela právem patří mezi nejčtenější vypravěče současné ukrajinské prózy. „Slečno, vy jste spadla z nebe?“ „A i kdyby z nebe, tak co? Padat z nebe ještě nikdo nezakázal.“ „Škoda. Měli by.“ Z povídky Gallus domesticus (slepice)
Geschichten vom Leben in einer großen Stadt. Und was für einer Stadt! Kiew als Fokus: Minimale Verschiebungen von Realität und Fiktion holen die Leser dieser glänzend geschriebenen Geschichten ganz plötzlich aus dem Alltagsgeschehen heraus, und sie finden sich wieder in einer ungewöhnlichen, irrealen Lage. Teilt doch die Bewohnerin dieser großen Stadt Kiew ihr Leben unversehens mit einer Qualle oder einem Schmetterling, und ganz normale Stadtbewohner wie Hund und Ratte oder der gemeine europäische Hase finden sich ebenfalls ein.
Tanja Maljartschuk erzählt die tragikomische Geschichte des Mädchens Lena, geboren in San Francisco in der Ukraine, das sich nach Wundern sehnt und versucht, dem Glück ihrer Mitmenschen auf die Sprünge zu helfen. Lena war sich immer sicher eigentlich, dass aus ihr mal etwas richtig Großes werden würde. Doch das Land, in dem sie lebt, befindet sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auf einem mehr als holprigen Weg zur Demokratie: Es herrschen Korruption und Tristesse in dieser»gottlosen Zwischenzeit«. Lena kämpft mit Witz und Eigensinn für das Gute: für ihre Freunde, für Straßenköter, für die Freundlichkeit - und sie hofft auf ein Wunder, denn das Glück ist mit den Unerschrockenen. Tanja Maljartschuk ist ein Roman von grausamer Komik gelungen.