Ingeborg Bachmanns literarisches Schaffen, von Lyrik über Prosa bis hin zu Hörspielen und Essays, zielte auf eine Transformation von Wahrnehmung und Bewusstsein ab, um Leser in neue Erfahrungen, auch des Leidens, einzubeziehen. Ihre eindringliche Darstellung weiblicher Subjektivität in einer von Männern dominierten Gesellschaft löste eine neue Rezeptionswelle aus. Bachmann, die anfangs für ihre Lyrik gefeiert wurde, wandte sich zunehmend der Prosa zu und erforschte die Unzulänglichkeit der Welt und die Sehnsucht nach einer neuen, wahreren Ordnung. Ihre oft experimentellen Werke enthüllen von patriarchalen Strukturen beschädigte Frauen und diagnostizieren die Krankheit der Zeit, wobei sie den Ursprung des Faschismus in zwischenmenschlichen Beziehungen sieht.
Ingeborg Bachmann (1926–1973) schuf mit ihrer Lyrik, Essayistik und ihrer umfangreichen Prosa eines der eindrucksvollsten schriftstellerischen Werke ihrer Generation. Die vierbändige Ausgabe versammelt alle wichtigen Texte in neuer Ausstattung.
Ingeborg Bachmann, geb. 1926 in Klagenfurt, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellerinnen der deutschsprachigen Nachkriegsgeneration. Ihr Werk umfaßt Romane, Kurzprosa und Lyrik, aber auch Übersetzungen aus dem Italienischen. 1964 wurde ihr der Georg-Büchner-Preis verliehen. Sie starb 1973 in Rom.
Ingeborg Bachmann stand mit zentralen Protagonistinnen der deutschsprachigen Literatur in Kontakt. Ihre Briefwechsel mit Marie Luise Kaschnitz, Hilde Domin und Nelly Sachs, die hier erstmals zugänglich gemacht werden, geben einen eindrucksvollen Einblick in die Lebensbedingungen, das literarische Schaffen, die Poetik und das politische Engagement schreibender Frauen nach 1945. Über Generationen und Grenzen hinweg entstehen zwischen den Briefpartnerinnen unterschiedliche Beziehungen: die in Rom beginnende Freundschaft Bachmanns mit Marie Luise Kaschnitz, die pragmatische Zusammenarbeit mit Hilde Domin und das lyrische Gespräch mit Nelly Sachs. Gemeinsam ist den Briefwechseln vor allem die Frage, wie nach der Shoah weitergelebt und weitergeschrieben werden kann. Der Kommentar erläutert die Briefe vor dem Hintergrund von Zeitgeschichte und Literaturbetrieb und versucht, von heute aus, die Werke dieser Autorinnen miteinander ins Gespräch zu bringen.
Vom dichterischen Schaffen Ingeborg Bachmanns nicht zu trennen sind ihre essayistischen Texte. Philosophische Reflexionen, Reden anlässlich ihrer Preisverleihungen, Städteimpressionen und Porträts ihrer Zeitgenossen geben im Skizzenhaften Einblick in die »Werkstatt« der Schriftstellerin. Die essayistischen Texte geben ein eindrucksvolles Zeugnis unermesslicher Belesenheit.
Die Liebesbeziehung zwischen den beiden bedeutendsten deutschsprachigen Dichtern nach 1945 beginnt im Nachkriegswien. Während Bachmann dort Philosophie studiert, ist Wien für Celan eine Zwischenstation. Im Mai 1948 lernen sie sich kennen, bevor er Ende Juni nach Paris geht. Ihr Briefwechsel nach der Trennung beginnt zögerlich und entwickelt sich in dramatischen Phasen, jede geprägt von eigenem Ton, Themen, Hoffnungen und Schweigen. Ende 1961 bricht der Austausch ab, als Celans psychische Krise während der „Goll-Affäre“ eskaliert.
Der Briefwechsel von 1948 bis 1961 (der letzte Brief datiert aus Juni 1967) ist ein bewegendes Zeugnis einer Liebe nach Auschwitz, geprägt von Störungen und Krisen, die aus ihren unterschiedlichen Herkunft und Lebensentwürfen resultieren. Es ist ein Ringen um Freundschaft oder zumindest um irgendeine Beziehung. Ergänzend sind die Korrespondenzen zwischen Bachmann und Gisèle Celan-Lestrange sowie zwischen Celan und Max Frisch in den Band aufgenommen, was einen umfassenderen Einblick in die komplexen Beziehungen und den literarischen Austausch dieser Zeit bietet.
Ingeborg Bachmanns Werk zählt längst zum bedeutendsten Kanon innerhalb der modernen deutschsprachigen Literatur. Diese repräsentative Auswahl aus ihrem Werk - Gedichte, Erzählungen, Essays und das berühmte Hörspiel "Der gute Gott von Manhattan" - hat die Autorin vor ihrem Tod noch selbst zusammengestellt.
»Senza casa«. Autobiographische Skizzen, Notate und Tagebucheintragungen
336 Seiten
12 Lesestunden
Autobiographische Versuche, ›Kriegstagebuch‹ und bislang unveröffentlichte Selbstzeugnisse sowie das ›Neapolitanische Tagebuch‹ aus Bachmanns aufregender frühen Zeit als freie Schriftstellerin: Aus diesen Texten, erstmals versammelt im neuen Band der Salzburger Bachmann Edition, lassen sich bisher unbekannte biographische Einblicke gewinnen; stereotype und medial vermittelte Bilder der Autorin werden in Frage gestellt und korrigiert. Sichtbar werden die Schattenseiten eines Vagabundierens zwischen vielen Orten und Sprachen – von der italienischen Wohngemeinschaft mit Hans Werner Henze auf Ischia und in Neapel über Aufenthalte in Wien, Klagenfurt, Paris und Rom bis zu Lesereisen durch Deutschland. Deutlich erkennbar wird die Spannung zwischen der Utopie eines freien Künstlerlebens und der Sorge um das ökonomische Überleben. Die vielen bruchstückhaften Notate und Textsorten spiegeln ein buchstäblich ›verzetteltes‹ Leben wider, das Wagnis, sich einem ungesicherten Dasein auszusetzen. Aus ihnen spricht die intime Stimme eines Ich, die ebenso spontan und unmittelbar wie auch zögernd, manchmal hart und apodiktisch wirkt und die im Lauf der Jahre zunehmend brüchiger und fragiler wird. In ihrer Poetik der ›Übergängigkeit‹ von Kunst und Leben eröffnet sich Bachmann einen Experimentier- und Erfahrungsraum für eine Existenz »senza casa«.
Herausgegeben von Monika Albrecht und Dirk Göttsche
828 Seiten
29 Lesestunden
Poesie und Intellekt, zwischen diesen zwei Polen bewegt sich Ingeborg Bachmanns lyrisches und erzählendes Schreiben auf originelle und immer wieder neue Weise. Die politische und philosophische Tiefendimension aber, die sich dahinter verbirgt, zeigt sich am deutlichsten in ihren kritischen Schriften, die alle Phasen ihrer Arbeit begleiteten. Unnachsichtig, klar und in ihrem ganz eigenen Duktus formuliert sie Gedanken zur Literatur, Philosophie und Psychologie ihrer Zeit ebenso wie über Musik und Sprache. Zum ersten Mal versammelt der vorliegende Band in historisch-kritischer Neuedition neben bereits veröffentlichten Texten verschollene, nachgelassene und neu rekonstruierte Schriften; enthalten sind unter anderen Ingeborg Bachmanns Essays, Reden, autobiographische Texte und die berühmten Frankfurter Vorlesungen.
In diesem Bildband entsteht aus dem Neben- und Ineinander von Bildern und Texten ein sensibles Porträt der Dichterin. Über einen Zeitraum von fast fünfzig Jahren dokumentieren sie ihre Lebensbereiche, zeigen ihre zahlreichen Reisen und belegen ihre Beziehungen zu anderen Schriftstellern wie auch ihre Mitgliedschaft bei der Gruppe 47.
Aufzeichnungen aus der Zeit der Krankheit. Traumnotate, Briefe, Brief- und Redeentwürfe
272 Seiten
10 Lesestunden
Bachmanns Traumnotate, Briefentwürfe und Aufzeichnungen aus der Zeit ihrer Krankheit sind als Grundelemente der späten »Todesarten«-Texte von großem literarischem Interesse. Darüber hinaus sind diese Schriften dazu angetan, unser Wissen über ihre Krankheit, und über das Phänomen der Krankheit überhaupt, zu erweitern. Sie sind anstößig, mutig in ihrem analytischen Ansatz, geschlagen mit dem Wissen um das Unheilbare – und zugleich erfüllt von dem leidenschaftlichen Wunsch, aus der Krankheit herauszukommen und Heilung zu finden.
Ingeborg Bachmanns Erzählungen sind unverzichtbarer Bestandteil der Gegenwartsliteratur. Sie zeigen Menschen an den Schnittpunkten ihrer Existenz, vor Entscheidungen, in denen es um das Leben geht, die Wahrheit, um die Liebe und den Tod. Neben den Erzählungen aus »Simultan« enthält der Band die Erzählungen aus »Das dreißigste Jahr« sowie alle kürzeren erzählenden Werke, die in der Gesamtausgabe von 1978 publiziert wurden.
Kurz vor seinem 30. Geburtstag stürzt der Held dieser Erzählung in eine schwere Identitätskrise und verzweifelt an der Welt sowie an der Sprache. Er strebt danach, „eine neue Sprache zu schaffen, die das Neue auszudrücken“ vermag, während die vorherrschende Sprache für ihn nur „Gaunersprache“ ist. Sein verzweifeltes Umherwandern umfasst alle Stadien der Auflösung und der Sinnsuche. In jedem Land, in dem er sich aufhält, fühlt er sich in einer „Falle“. Weder Liebe noch ein bürgerlicher Beruf können ihn retten. Sein alter Freund Moll, der „die Laus im Pelz“ ist, verkörpert das Angepasste und Unechte. Mit dieser Erzählung aus dem Jahr 1961 wendet sich die brillante Lyrikerin Ingeborg Bachmann der Prosa zu und vollzieht „einen Umzug im Kopf“. Das Thema Sprache war für sie von größter Bedeutung, da sie eine „andere Sprache“ für eine neue Welt suchte. „Die Welt und er selbst schien sich kündbar.“ Solche tiefen Sätze und lyrisch formulierte Grenzüberschreitungen benötigen besondere Sprecher. Gert Westphal und Oswald Döpke wechseln sich ab. Wer auch nur ein wenig für Sprachmagie übrig hat, wird diese Aufnahme aus dem Jahr 1961 schätzen. Lesung ohne Musik, Spieldauer: 79 Minuten, 1CD. Mit Booklet.
Ingeborg Bachmann gehört zu den Schöpferinnen des modernen Hörspiels als selbständige literarische Form. Sie handeln von Träumen, vom Mittelmeer, von Liebenden, von Männern und Frauen und sind Fabelns vom Dasein, Gleichnisse unserer Zeit.
Ingeborg Bachmanns Ruhm als eine der größten Dichterinnen der europäischen Moderne. Sämtliche vollendeten Gedichte, von der frühen Lyrik bis zur »Anrufung des Großen Bären«, bilden den Kern ihres facettenreichen Werkes und gehören zu den großen dichterischen Leistungen des 20. Jahrhunderts.
Diese historische Novelle, geschrieben von der achtzehnjährigen Ingeborg Bachmann, ist das eindrucksvolle Zeugnis einer frühen Begabung. Es fasziniert durch eine sichere Dramaturgie und eine Bildhaftigkeit, die sich aus der genauen Beobachtung bäuerlicher Sprache und bäuerlichen Lebens nährt. Die Geschichte berichtet vom kurzen, unglücklichen Leben des Kärtner Bauernsohnes Franz Brandstetter, der, im Konflikt zwischen dem, was er für seine Berufung hält – er ist Student der Theologie –, und der erotischen Faszination, die zwei Frauen auf ihn ausüben, einen dritten Weg einschlägt und sich den österreichischen Freischärlern anschließt, die sich gegen die napoleonische Besatzung erheben. Das Motiv Freiheit, das in Ingeborg Bachmanns Werk immer wiederkehrt, kündigt sich bereits in dieser Erzählung aus dem Jahre 1944 an.
Die Edition gibt die Gedichte in fotomechanischen Reproduktionen wieder, um die Dynamik des Schreibprozesses möglichst authentisch zu dokumentieren. Die einzelnen Texte und ihre Entstehungsgeschichte werden von kommentierenden Essays begleitet, die Hans Höller verfaßt hat.
Der Briefwechsel | Ein einzigartiges Dokument der Liebesbeziehung eines der berühmtesten Paare der deutschsprachigen Literatur
Frühjahr 1958: Ingeborg Bachmann - gefeierte Lyrikerin, Preisträgerin der Gruppe 47 und Coverstar des Spiegel - bringt gerade das Hörspiel Der gute Gott von Manhattan auf Sendung. Max Frisch, in dieser Zeit mit Inszenierungen von Biedermann und die Brandstifter beschäftigt, schreibt der »jungen Dichterin«, wie begeistert er von ihrem Hörspiel ist. Mit Bachmanns Antwort im Juni 1958 beginnt ein Briefwechsel, der - vom Kennenlernen bis lange nach der Trennung - in fast 300 überlieferten Schriftstücken Zeugnis ablegt vom Leben, Lieben und Leiden eines der bekanntesten Paare der deutschsprachigen Literatur: Nähe und Distanz, Bewunderung und Rivalität, Eifersucht, Fluchtimpulse und Verlustangst, aber auch die Schwierigkeiten des Arbeitens in einer gemeinsamen Wohnung und die Spannung zwischen Schriftstellerexistenz und Zweisamkeit - die Themen der autobiografischen Zeugnisse sind zeitlos. In den Büchern von Bachmann und Frisch hinterließ diese Liebe Spuren, die zum Teil erst durch die Korrespondenz erhellt werden können. Die Briefe zeigen einmal mehr, dass Leben und Werk nicht zu trennen sind, sie sind intime Mitteilungen und zugleich Weltliteratur
Im Wintersemester 1959/60 hielt Ingeborg Bachmann im Rahmen einer Vortragsreihe an der Frankfurter Universität fünf Vorlesungen zu Fragen der Poetik. Diese essayistischen Arbeiten sind ein integraler Bestandteil ihres dichterischen Schaffens. In den Vorlesungen zu »Problemen zeitgenössischer Dichtung« formuliert Ingeborg Bachmann die Quintessenz ihrer ästhetischen Grundüberzeugungen, ihre Sprachmoral. Die Fragen »Warum schreiben? Wozu?« und »Warum wollen wir Veränderung durch Kunst?« beantwortet sie mit dem Postulat eines »moralischen, erkenntnishaften Rucks«, eines »neuen Geistes«, der die neue Sprache bewohnen müsse. Sie untersucht Gedichte von Eich, Celan, Enzensberger, Kaschnitz und anderen, befasst sich mit der Problematik des »schreibenden Ichs«, dem »Umgang mit Namen« und der Aufgabe der »Literatur als Utopie«. Es sind Schlüsseltexte für das literarische Selbstverständnis der Autorin sowie der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts.
Nie zuvor wurden Briefe von Ingeborg Bachmann veröffentlicht. Der
reiche Briefwechsel zwischen ihr und dem international erfolgreichen
Komponisten Hans Werner Henze ist das einzigartige Zeugnis
künstlerischen Austauschs und einer bedingungslosen Freundschaft.
'Ich lehnte mich an Sie an, ihr Geist half meiner Schwachheit auf',
schreibt Hans Werner Henze über Ingeborg Bachmann. Der aufstrebende
Komponist erkannte rasch eine Seelenverwandte in der jungen
Dichterin, das war 1952 in Göttingen. Und schon im folgenden Jahr
setzte ein leidenschaftlicher und immer vertrauter werdender
Briefwechsel ein. Einig sind sie sich darin im Haß auf
Nazideutschland, wollen mit Günter Grass die junge Sozialdemokratie
unterstützen und sind doch im Herzen immer bei ihrer 'Pflicht', der
Kunst, in der sie gemeinsam an Liedern und einer großen Oper
arbeiten. Als die Beziehung zu Max Frisch auseinandergeht, gesteht
Ingeborg Bachmann ihrem Freund: 'Du bist mir der kostbarste Mensch',
und Henze lädt sie in schwärmerischen, tröstenden und ernsten Briefen
zu sich nach Rom und Neapel ein, um bei ihr sein zu können und das
Eigentliche zu tun: schreiben, komponieren und Ruhe finden in einem
Leben, 'für das man vielleicht nicht stark genug ist'.
»halten wir einander fest und halten wir alles fest!«. Der Briefwechsel Ingeborg Bachmann – Ilse Aichinger und Günter Eich
Ingeborg Bachmann und Ilse Aichinger haben sich im Wien der Nachkriegszeit kennengelernt. Zwei Frauen im männlich dominierten Literaturbetrieb, von unterschiedlicher Herkunft, mit grundlegend verschiedenen Erfahrungen in der NS-Zeit und mit gegensätzlichen Lebensentwürfen werden die bedeutendsten österreichischen Autorinnen nach 1945. Trotz der unvermeidlichen literarischen Konkurrenzsituation versuchen sie, ihre Freundschaft aufrechtzuerhalten.Ihre Korrespondenz aus den Jahren 1949 bis 1962, in die auch Günter Eich als Ehemann Aichingers einbezogen ist, dokumentiert diesen prekären Versuch in rund 100 Briefen – 30 von Bachmann, 74 von Aichinger und Eich. Der auffallend familiäre Ton wird von Aichinger vorgegeben. Für sie, die nahe Verwandte durch die Shoah verlor und in Wien der Verfolgung ausgesetzt war, blieb die Familie das größte zu schützende Gut, in der Bachmann als »dritter Zwilling« und als »kleine Schwester« Günter Eichs ihren Platz erhält.Dass diese Freundschaft trotz aller Bemühungen scheiterte, gehört zur Tragik, die sich in diesem Briefwechsel verbirgt und nur selten hervorbricht, in einem »Suchen, grundlos, krankhaft, nach dem Grund des Ausbleibens jeder Nachricht […] mit dem Wunsch um ein Wort«.
Ingeborg Bachmann veröffentlichte 1972 mit "Simultan" ihren zweiten Erzählungsband, der ihre letzte Buchveröffentlichung seit dem Ende der sechziger Jahre parallel zu den Arbeiten am "Todesarten" Projekt war. Mit diesem haben sie das Thema der von der Männergesellschaft verletzten, im Leben behinderten Frau gemeinsam. In der umfangreichsten Erzählung des Bandes, "Drei Wege zum See," findet sich denn auch der vorläufig abschliessende Satz sum Patriarchat: "...solange es diesen Neuen Mann nicht gab, konnte man nur freundlich sein und gut zueinander, eine Weile. Mehr war nicht daraus zu machen, und es sollten die Frauen und die Männer am besten Abstand halten..."
Für Radio Bremen war das Engagement der damals noch weitgehend unbekannten Autorin ein reiner Glücksfall: Ingeborg Bachmann besaß alles, was eine exzellente Korrespondentin auszeichnet. Sie sprach perfekt italienisch und verfügte über profunde Kenntnisse der Politik und Kultur Italiens, wohin sie schon im Spätsommer 1953 übersiedelt war. Präzis und souverän berichtete sie über beinahe jedes Thema: über mysteriöse Kriminalfälle im gehobenen Milieu ebenso wie über angebliche kommunistische Umsturzversuche; über dreiste Mafia-Umtriebe ebenso wie über die Ratifizierung der Pariser Verträge. Ihre politischen Erörterungen waren so klarsichtig und brillant analysiert wie ihre feuilletonistischen Betrachtungen charmant und pointiert. Der Zufall wollte es, daß Ingeborg Bachmanns römische Radioreportagen nach über 40 Jahren in den Archiven von Radio Bremen wiederentdeckt worden sind.
Dieser Band notiert die Begegnungen zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan, deren Orte, Wien und Paris, korrespondierende Motive, das Motiv der Flaschenpost, die Metaphorik ihrer Lyrik, die beiden Büchnerpreisreden, den Traum als Medium historischer Erkenntnis, die Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus, aber auch den unterschiedlichen Bezug auf Denktraditionen, auf Georg Büchner, auf Walter Benjamin oder Martin Heidegger.
Malina, der erste und einzige Roman der Lyrikerin Ingeborg Bachmann, ist das Buch einer Beschwörung, eines Bekenntnisses, einer Leidenschaft. Malina ist wohl die denkbar ungewöhnlichste Dreiecksgeschichte: weil zwei der Beteiligten in Wahrheit eine Person sind, >eins sind< und doch jede Person >doppelt< ist.
Die „Anrufung des Großen Bären“ bildet zusammen mit Ingeborg Bachmanns erstem Gedichtband „Die gestundete Zeit“ den Kern ihres lyrischen Werks. Diese Gedichte stammen aus den Jahren 1945 bis 1956 und wurden 1956 erstmals in Buchform veröffentlicht. „In dem Zusammenhang der bitteren Welterfahrung mit der Erfahrung von der Benennbarkeit des Gegenbildes liegt der ganz besondere eigentümliche sprachliche Zauber dieser Gedichte.“ – Helmut Heißenbüttel
»Die gestundete Zeit«, 1953 erschienen, begründete Ingeborg Bachmanns Ruhm als eine der größten Dichterinnen der europäischen Moderne. »Ein einziger schmaler Gedichtband, ›Die gestundete Zeit‹, und schon war ihr Name allen bekannt, auch solchen, für die Lyrik sonst nicht eben zum täglichen Brot gehört. Seit Gottfried Benn hat es im deutschen Sprachraum kein lyrisches Talent gegeben, an dem sich die Grundbedingung dichterischer Existenz überzeugender bewahrheitet hat als an Ingeborg Bachmann.« Günter Blöcker, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Geschichten von Franza Jordan und Fanny Goldmann thematisieren die unbarmherzige soziale Gewalt und die moralischen Verbrechen, die in der Gesellschaft unbestraft bleiben. Ingeborg Bachmann beleuchtet in ihren Erzählungen die tiefgreifenden menschlichen Schicksale und stellt die Gesellschaft als einen Ort dar, an dem das Leben oft tödliche Konsequenzen hat. "Requiem für Fanny Goldmann" sollte Teil des unvollendeten Zyklus "Todesarten" sein, der auch "Malina" und "Das Buch Franza" umfasst, und verdeutlicht die Dringlichkeit und Tragik der dargestellten Themen.
Im Herbst 1951 betritt eine »kettenrauchende Meerfrau mit Engelhaar« die Hörspielabteilung des amerikanischen Senders Rot-Weiß-Rot in Wien. Ingeborg Bachmann prägt in den folgenden zwei Jahren das Unterhaltungsprogramm und macht die Radiofamilie Floriani zur bekanntesten Sendung der Nachkriegszeit. Die Florianis sind ein bürgerliches, verschrobenes Familienensemble: Hans, der Paterfamilias und Oberlandesgerichtsrat, wird von seinen frechen Kindern um den Finger gewickelt. Er beklagt sich bei seiner Frau Vilma, einer Generalstochter, über seine Rolle in der Familie, während sie strenger mit Onkel Guido, dem Halbbruder des Oberlandesgerichtsrats, ins Gericht geht. Guido war ein kleiner Nazi, der auf Hitler hereingefallen ist. Woche für Woche verhandeln sie mit Witz und Ironie über den Kalten Krieg, die Entnazifizierung und den Wiederaufbau in Nachkriegsösterreich. Die von Bachmann verfassten Skripte galten lange als verloren, werden jedoch in diesem Band erstmals zusammen mit einem ausführlichen editorischen Nachwort des Herausgebers veröffentlicht.
Zu den beiden Lyrikbänden „Die gestundete Zeit“ und „Anrufung des Großen Bären“, die noch zu Lebzeiten Ingeborg Bachmanns erschienen, gehört als dritter Band „Liebe: Dunkler Erdteil“, der auch Gedichte aus dem Nachlass enthält. Er gibt durch die chronologische Folge der Gedichte einen Einblick in die Entwicklung der großen Lyrikerin: Schon in den Jugendjahren kristallisiert sich eine eigene Intensität heraus, die sich dann durch ihr ganzes Schaffen hindurch fortsetzt und verdichtet. Dabei berührt Ingeborg Bachmann nicht nur die menschlichen Existenzialien wie Liebe und Tod, sondern es gelingt ihr, sie durch eine Sprache der Empfindsamkeit neu zu definieren.
Die Texte bilden zusammen mit dem Roman "Malina" den "Todesarten"-Zyklus, ein Prosa-Epitaph für Frauen, die von einer Männerwelt leidend betroffen sind. "Ein Lese-Erlebnis sondergleichen." - Joachim Kaiser.
Wiederabdruck von Ingeborg Bachmanns (1926-1973) Büchnerpreisrede aus dem Jahr 1964: eine Schilderung von Angstträumen in Berlin, der unbekümmert invaliden, schizophrenen Stadt
Ingeborg Bachmann (1926-1973) erzählt diese Liebesgeschichte in ihrem Roman Malina. Die Heldin des Romans liebt so vorbehaltlos, so ausschliesslich und bedingungslos, »dass dem auf der anderen Seite nichts entsprechen kann. Für den Geliebten ist sie eine Episode in seinem Leben, für sie ist er der Transformator, der die Welt verändert, die Welt schön macht.« (Bachmann) Für ihn erfindet sie die Legende von der Vorherbestimmtheit ihrer Liebe, Sehnsuchtsbild und Utopie zugleich.Der Ausgabe beigegeben sind Bilder von Liebenden des österreichischen Malers Arik Brauer (geboren 1929).
In einem Tagebuch dokumentiert eine achtzehnjährige Ingeborg Bachmann den schönsten Sommer ihres Lebens, der nicht nur den ersehnten Frieden nach dem Krieg, sondern auch eine tiefgehende Verbindung zu Jack Hamesh, einem britischen Besatzungssoldaten, umfasst. Hamesh, ein Jude, der 1938 aus Wien fliehen musste und seine Eltern im Holocaust verlor, beschreibt in berührenden Briefen, wie Bachmann ihm den Glauben an die Menschheit zurückgab, nachdem er in das damalige Palästina ausgewandert war. Dieses Band vereint Bachmanns ergreifendes Kriegstagebuch mit den erhaltenen Briefen von Hamesh und bildet ein einzigartiges Dokument des Dialogs und der Zuneigung zwischen den Nachkommen von Opfern und Tätern. Pressestimmen heben hervor, dass diese Veröffentlichung, nach dem Briefwechsel zwischen Bachmann und Paul Celan, erneut Literaturgeschichte schreiben wird. Der herausragende Kommentar von Hans Höller schafft ein eindrucksvolles Zeitbild, das bis in Bachmanns zukünftiges Werk hineinreicht. Die Besonderheit dieser Tagebuchblätter liegt im Detail des gelebten Widerstands, im Rausch des unverhofften Friedens und im Glück der Befreiung.
Ingeborg Bachmann gehört zu den Schöpfern des modernen Hörspiels als selbstständige literarische Form. »Der gute Gott von Manhattan«, das berühmteste Hörspiel, entstand 1957 und erhielt 1959 den Hörspielpreis der Kriegsblinden. »Eine Dichtung, die uns das Herz trifft und die Urteilskraft entzückt«, schrieb Werner Weber über dieses Gleichnis unserer Zeit, in dem vor Gericht das Schicksal zweier Liebender aufgerollt wird.
Ingeborg Bachmann, die wohl größte deutschsprachige Dichterin des 20. Jahrhunderts, faszinierte stets auch durch ihre eigenwillige Persönlichkeit und ihr ungebundenes Leben. In ihrem Schreiben setzte sie sich über »Branchenunterschiede« hinweg, neben ihren Romanen und Gedichten stehen Hörspiele und Drehbücher. Sowohl in ihren Beziehungen als auch an ihren Wohnorten suchte Bachmann, die sich schließlich in Rom niederließ, nach Freiheit. In den Gesprächen aus den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren, die in diesem Band versammelt sind, gibt die oft als geheimnisvoll geltende Dichterin tiefe Einblicke in ihr Denken, Schreiben und Leben.
Die Ingeborg-Bachmann-Gesamtausgabe beginnt mit dem Roman „Goldmann“, der das jüdische Paar Fanny und Harry Goldmann im Nachkriegswien porträtiert. Bachmann thematisiert soziale Gewalt und moralische Verbrechen in einer veränderten Gesellschaft. Der Roman bleibt aufgrund ihres frühen Tods fragmentarisch und reflektiert die Sehnsucht nach Österreich nach der Shoah.
Ein Ort für Zufälle | Georg-Büchner-Preis-Rede und poetische Berlin-Prosa
191 Seiten
7 Lesestunden
"Ein Ort für Zufälle" (1965) ist ein experimenteller Text von Ingeborg Bachmann, der Westberlin als Insel-Stadt des Wahnsinns darstellt. Er thematisiert persönliche und historische Krisen. Die Edition bietet Einblicke in die poetologischen Hintergründe und beleuchtet die literarische Bedeutung des Werks sowie neu entdeckte Archivmaterialien.
Dieser Bildband mit zwei Erzählungen von Ingeborg Bachmann („Das Hondischkreuz“ und „Drei Wege zum See“) vermittelt Insider-Perspektiven auf ein an Naturschönheiten und kulturellen Kleinodien reiches Land.
Die exemplarische Untersuchung des Italienbildes Ingeborg Bachmanns im Vergleich zu der literarischen Tradition der Italienbilder früherer Schriftstellergenerationen, allen voran Goethe, zeigt, wie sehr sich Ingeborg Bachmann in der literarischen Auseinandersetzung zunächst auf den klassischen Pfaden von Neapel bis Rom bewegt hat. Ariane Huml untersucht anhand ausgewählter Gedichte und Auszügen aus der Prosa, wie auch im Gespräch mit einzelnen Weggefährten und Zeitgenossen Bachmanns, die Italienwahrnehmung der Dichterin und deren Niederschlag auf ihr Werk. Dabei verfolgt die Studie die zyklische Struktur der literarischen Bilder, die vom Motiv der Übersiedlung, der »Ausfahrt« eines lyrischen Ichs in den Süden über die poetische Schöpfung des »erstgeborenen Landes« Italien bis hin zu Bildern des südlichen Inseldaseins reichen. Die literarische Reise führt schließlich zum Untergang eben jener Inselphantasie, der das Ende der Utopie eines glücklicheren Daseins in der südlichen Welt bedeutet. Im »Todesartenzyklus« erfahren die südlichen Metaphern in intertextueller Fortsetzung eine Umkehrung bis hin zu ihrer Negation. Huml rekonstruiert das künstlerische Ritual einer (Lebens-)Reise in den Süden anhand einzelner Stationen aus dem Werk, einer Italienfahrt, die bis zum Tod der Autorin 1973 in Rom andauerte.
Auf literischen Spuren folgen wir Ingeborg Bachmann durch Klagenfurt, Wien, Rom und begleiten sie auf ihren Reisen nach München, Berlin Zürich und nach anderswo. Christa Gürtler zeichnet in dem reich bebilderten Bändchen in den Erzählungen und Romanen Ingeborg Bachmanns Lebensorte nach.