Die Frage „Wie deutsch ist es?“ prägt das Verhalten und die Handlungen der Charaktere in Walter Abishs Roman, der ein kaltes Panorama des zeitgenössischen Deutschlands zeichnet. Hier weicht die Tradition von Ordnung und Gehorsam, geprägt durch das Erbe des Schwertes und des Schlosses am Rhein, einem indiscriminierenden Interesse an allem Amerikanischen. Ulrich Hargenau kehrt von Paris in seine Heimatstadt Württemberg zurück, wo sein Vater wegen seiner Beteiligung am Attentat auf Hitler 1944 hingerichtet wurde. Er fragt sich: „Wie deutsch bin ich?“ und vergleicht seinen Versuch, sein Leben und das seiner Frau Paula zu retten, indem er gegen Mitglieder einer Terrorgruppe aussagt, mit dem selbstlosen Heldentum seines Vaters. Ulrich, privilegiert und aus der Oberschicht, konfrontiert die Widersprüche des neuen demokratischen Deutschlands, insbesondere die Gemeinschaft Brumholdstein, die auf dem Gelände eines ehemaligen Konzentrationslagers errichtet wurde. Paulas Teilnahme an der Zerstörung einer Polizeistation, die zynische Reaktion des Staates auf die Terroristen, zwei Attentatsversuche auf Ulrich und die Entdeckung eines Massengrabes von KZ-Häftlingen in Brumholdstein werden mit subtiler Ironie als Teile eines Puzzles präsentiert, das den Aufruhr einer Gesellschaft beschreibt, die versucht, die Implikationen ihres bedrohlichen Erbes zu umgehen.
Walter Abish Bücher
Walter Abish schafft Werke, die sowohl fantasievoll als auch experimentell sind und die Grenzen der konventionellen Erzählung verschieben. Seine Schriften weisen oft unkonventionelle Sprach- und Formenanordnungen auf und laden die Leser ein, die Muster und Verbindungen von Wörtern neu zu überdenken. Abishs Prosa bietet eine faszinierende Reise, die die Wahrnehmung herausfordert und die Architektur der Erzählung selbst hervorhebt. Sein unverwechselbarer Ansatz macht ihn zu einer bedeutenden Stimme in der experimentellen Literatur.






Werner Schmitz ist seit 1981 als Übersetzer tätig, u. a. von Malcolm Lowry, John le Carré, Ernest Hemingway, Philip Roth und Paul Auster. 2011 erhielt er den Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis. Er lebt in der Lüneburger Heide.
Alphabetisches Afrika
- 382 Seiten
- 14 Lesestunden