Ayelet Gundar-Goshen inszeniert einen inneren Konflikt, der die Figuren und Lesenden gleichermaßen in seinen Bann zieht. Und sie schafft davon ausgehend ein packendes Psychodrama über Schuld und Rache, über die Flucht vor Verantwortung und über Mitgefühl, das sich an unerwarteten Orten zeigt.Naomi ist nicht begeistert, als sie sich allein mit ihrem einjährigen Sohn Uri und einem arabischen Handwerker in ihrer Wohnung in Tel Aviv wiederfindet. Ihr Mann Juval hat ihn mit der Renovierung ihres Balkons beauftragt, während er selbst bei der Arbeit ist. Sie fühlt sich unwohl in der Präsenz des fremden Mannes, zumal Uri eigentlich seinen Vormittagsschlaf halten sollte und allmählich quengelig wird. Während sie Kaffee zubereitet, entsteht plötzlich auf der Gasse vor dem Haus ein Aufruhr, ein Teenager ist von einem herabstürzenden Hammer erschlagen worden. Naomi wird schnell klar, dass ihr Sohn den Hammer in einem unbeaufsichtigten Moment vom Balkon gestoßen haben muss. Doch der Verdacht fällt nicht auf die israelische Familie, sondern auf den arabischen Arbeiter. Als er wenig später zum Verhör abgeführt wird, ist Naomi wie gelähmt, es gelingt ihr nicht, die Wahrheit zu sagen.Eine Geschichte, die mit einer harmlosen Tasse Kaffee beginnt, wird zu einer gefährlichen Tour zwischen Stadt und Dorf, bei der keiner der Beteiligten so bleibt, wie er war.
Ruth Achlama Reihenfolge der Bücher (Chronologisch)



Der Alptraum ist die Kehrseite des Traumes, sein schmerzhafter Preis. Dies haben auch jene erfahren müssen, die in den dreißiger und vierziger Jahren auf der Flucht vor dem Holocaust nach Palästina gelangt sind; gestrandet in einer unwirtlichen Landschaft unter britischer Mandatsverwaltung, in der sich die Träume vom jüdischen Staat nur zögernd verwirklichten. 1974/75 hat Amos Oz drei Erzählungen über die Erfahrungen dieser jüdischen Einwanderer verfaßt. Die erste Erzählung, »Der Berg des bösen Rates«, spielt im Mai 1946 und schildert, wie Palästina für Dr. Kipnis und seine Frau aus unterschiedlichen Gründen zur geliebten oder erzwungenen Endstation einer Flucht wird. In »Herr Levi« ist es Spätsommer 1947, und Amos Oz erzählt vom jüdischen Widerstand gegen die englische Verwaltung. Unmittelbar daran schließt sich »Sehnsucht« an, doch die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Nunmehr ist der Abzug der Engländer gewiß, und die Zionisten rüsten sich für Konflikte mit den arabischen Nachbarn.
„»Amos Oz erzählt die Geschichte eines Kibbuz, eine Geschichte, die er kennt; denn er hat selbst über 30 Jahre lang in einer dieser Keimzellen des israelischen Staatswesens gelebt. Er kennt sie, diese Jonathans, Asarjas, Sruliks, Joleks, Chawas und Rimonas, er kennt sie in ihrem Bedürfnis, irgendwo zuhause zu sein. Das Gefühl, das sie alle umtreibt, heißt Sehnsucht. Sehnsucht nach einem Staat, in dem sie frei und sicher leben können bei den Zionisten alten Schlages, Sehnsucht nach Abenteuer und einer weiten, einer grenzenlosen Welt bei der Jugend, die bereits in der Geborgenheit und der Zucht eines Kibbuz aufgewachsen ist, Sehnsucht nach dem ›perfekten Frieden‹ bei einem wie Jonathan Lifschitz, der eines Tages beschließt, seine Frau, seine Eltern und die Gemeinschaft der ändern Kibbuzniks zu verlassen, um jenen Ort auf der Welt zu suchen, an dem er wirklich , zuhause und bei sich selbst wäre.« Klara Obermüller, Die Weltwoche“