Schutt und Asche
Streifzüge durch Bibel und Gesangbuch






Streifzüge durch Bibel und Gesangbuch
Auf den Spuren Gottes durchs Leben ziehen. Mit einem Vorwort von Fulbert Steffensky.
Binde deinen Karren an einen Stern - das sagte das Universalgenie Leonardo da Vinci vor langer Zeit. Lass dich vom Himmel durchs Leben ziehen, so übersetzt Marcus A. Friedrich diese bildhafte Aufforderung ins Heute. In kurzen Texten, hervorgegangen aus einer Sendereihe von RAI Südtirol, bringt er Standpunkte christlichen Glaubens zur Sprache - mit Bezug auf die Feste des Kirchenjahres als auch auf alltägliche Erfahrungen. Die Texte rufen so christliche Traditionen ins Gedächtnis und heben deren Schätze. Zugleich beziehen sie sich immer wieder kritisch auf die Lebensbedingungen der Gegenwart. Leichtfüßig, keck, wildwüchsig und gelegentlich liebenswürdig respektlos. Alles kann zum Thema einer überraschenden Betrachtung werden: der Karneval, der Nikolaus, die Kaffeepause und der Zirkus (Fulbert Steffensky).
Gespräch mit Fulbert Steffensky als Erinnerung an die streitbare Theologin Dorothee Sölle und ihr bis heute wirkendes Engagement für Verantwortung und Ermutigung gegen die Hoffnungslosigkeit, aktuell zum Kirchentag in Hamburg
Zu den riskanten Bereichen gehören Grenzgebiete, und Grenzen - vornehmlich in Glaubensdingen und theologische - schreitet Fulbert Steffensky immer wieder gern und lustvoll ab und überschreitet sie. Davon legt auch dieses Buch von ihm mit Predigten, Andachten, Meditationen und Aufsätzen Zeugnis ab - etwa in der Segnung eines homosexuellen Paares oder als »Stimme und Gegenstimme im Nachtgespräch über den Glauben«. Ebenso in den anderen Beiträgen nimmt der Grenzgänger zwischen katholischer und evangelischer Lehre kein Blatt vor den Mund: »Gott erkennen - die Gottesbilder verlieren«; »Sünde: ein Begriff der Würde des Menschen«; »Die drei Todsünden Christi«; »Der Tanz der Leichtfüße«; »Die Hosen des heiligen Josef«...
Kritisch hinterfragen - das war lange Zeit die vorherrschende Haltung gegenüber der Tradition, auch innerhalb der Kirche. Diese Form des Umgangs mit dem eigenen Erbe ist notwendig; sie befreit aus Erstarrung und befähigt zu einem eigenständigen Leben. Doch zugleich bergen Traditionen einen vielfältigen Schatz an Lebenserfahrung; sie helfen uns, die Welt zu erschließen, und befreien ihrerseits aus der Enge und Beliebigkeit eines nur auf die Gegenwart und auf sich selbst bezogenen Lebens. Indem sich Fulbert Steffensky den überlieferten Geschichten, Bildern und Gesten, Zeiten und Räumen des Glaubens in dieser doppelten Ausrichtung nähert, lenkt er den Blick auf deren Kraft und Schönheit; und darauf, wie sie uns dadurch in unseren Leiden, Wünschen, Ängsten und Hoffnungen ansprechen und aufrichten: „Wir haben oft die Last, die Verpflichtung, die Moral betont, die der Glaube von uns verlangt. Wir haben vergessen, daß es Brot und Wein und Feuer ist.“
Daß es ein neues religiöses Interesse gibt, ist keine Frage und nimmt der Autor zum Anlaß, theologiesche Grundfragen zu behandeln: die Frage nach Gnade, nach Gerechtigkeit, nach Möglichkeiten der Hoffnung und nach der Kirche, die das Schatzhaus der Gesellschaft sein könnte. Fulbert Steffensky fragt nach Regeln und Formen, nach Räumen und Zeiten. Indem er nach Traditionellem fragt und nach dessen Kraft, die Menschen zur Freiheit des Geistes zu locken, bekundet er sein Mißtrauen gegen das Außerordentliche und gegen die Höhenerfahrung, die mit der neuen Religiosität gemeinhin gesucht werden.