Im Mittelalter prägten rituelle Kommunikationsformen den öffentlichen Umgang der Mächtigen miteinander. Lange hat man solche Art von Kommunikation als ›starres Zeremoniell‹ oder ›leeres Ritual‹ beiseite geschoben. Gerd Althoff schreibt anhand konkreter Fälle (z. B. Rituale beim Sturz des Bayernherzogs Tassilo oder die Selbstdemütigung Heinrichs IV.) die Geschichte dieser Kommunikation und setzt sie in Beziehung zur Geschichte mittelalterlicher Herrschaft. Mit seiner Sicht von der bewussten Konstruktion der Rituale und ihrer beabsichtigten Wirkung bietet er eine überzeugende Erklärung für ihre Funktion. Durch öffentliche Rituale erhielt eine rangbewusste Gesellschaft alle Informationen, die für eine geregelte Herrschaftsausübung nötig waren. Rituale informierten über Rechte und Pflichten, signalisierten den Zustand von Beziehungen und spiegelten die bestehende Ordnung wider. Ein innovativer Zugriff, der für das moderne Mittelalterverständnis unverzichtbar ist.
Gerd Althoff Bücher






Heinrich IV.
- 335 Seiten
- 12 Lesestunden
Gerd Althoff legt hier die erste kritische Biographie des Salierkaisers Heinrich IV. vor und räumt mit dem im 19. Jahrhundert geprägten, stark idealisierten Bild des Herrschers rigoros auf. Er definiert dabei auch die Grenzen und Möglichkeiten der Biographie eines mittelalterlichen Herrschers neu. Heinrichs IV. (1056-1106) Herrschaftszeit stand unter keinem guten Stern. Noch unmündig beim Tod seines Vaters, muss er seine Herrschaft erst gegen seine Erzieher durchsetzen. Im ständigen Kampf gegen die Großen im Reich und gegen aufständische Sachsen erwächst ihm in der machtvollen Gestalt Papst Gregors VII. ein gefährlicher Gegner. Gregor strebt die Erhebung der Kirche über den Staat an, des Papsttums über das Kaisertum. Der Streit eskaliert bis zum Bann gegen den Kaiser, der sich schließlich 1077 mit seinem berühmten Gang nach Canossa dem Papst unterwerfen muss. Heinrichs eigener Sohn erhebt sich gegen ihn und setzt ihn gefangen, der Kaiser stirbt auf der Flucht. Gerd Althoff beschreibt nicht nur klar und eindringlich die Regentschaft Heinrichs als eine Zeit des Scheiterns, sondern er gewährt uns auch tiefe Einblicke in die Persönlichkeit dieses Herrschers, der nicht nur durch seinen Kampf gegen das Reformpapsttum, sondern auch durch seine selbst nach mittelalterlichen Maßstäben unglaubliche Grausamkeit gegenüber jedem, der sich ihm in den Weg stellte, von sich reden machte.
Edle Ritter und heldenhafte Turniere - das Mittelalter ist oft und immer wieder bis zur Unkenntlichkeit romantisiert worden. Die Autoren, herausragende Spezialisten zum Thema, zeichnen ein ganz anderes Bild. Sie zeigen die natürliche Begrenztheit mittelalterlicher Kriegszüge und deren logistische Schwierigkeiten, schildern die Beweggründe für Kriege und die Legitimationsstategien für Gewalt in einem christlich geprägten Zeitalter. Anschaulich geben sie Einblicke in die Realität mittelalterlicher Belagerungen und in die Ausrüstung und Bewaffnung der Teilnehmer. Sie zeichnen exemplarische Kriege nach wie die Eroberung Englands oder die Kreuzzüge ins Heilige Land. Und sie zeigen, wie die ritterliche Kriegführung unter technologischem und gesellschaftlichen Modernisierungsdruck ihr Ende fand. Ein farbenprächtiger Überblick über rund 800 Jahre mittelalterlicher Militärgeschichte. Mit Beiträgen u. a. von Gerd Althoff, Nikolas Jaspert, Malte Prietzel, Jürgen Sarnowsky und Bernd Schneidmüller.
Das 10. Jahrhundert unter der Königsherrschaft der Ottonen hat im Geschichtsbewußtsein der Deutschen lange Zeit einen besonderen Platz eingenommen. Sie galten als Anfang und zugleich als ein früher Höhepunkt der Geschichte der Deutschen. Seitdem die nationale Perspektive in den Hintergrund getreten ist, erschließt die Forschung die Eigenart ottonischen Königtums zunehmend als Herrschaft ohne Staat. Nicht Ämter, Verwaltung und Schriftlichkeit bestimmten die Herrschaftspraxis der Könige im 10. Jahrhundert, sondern mündliche Verfahren der Konsensstiftung und Willensbildung, rituelle Akte der Herrschaftsrepräsentation und paraliturgische Demonstrationen ihres Gottesgnadentums. Dieses Buch macht diese neuen Forschungsperspektiven in einer chronologisch aufgebauten Darstellung der ottonischen Geschichte sichtbar.
Wie herrschte ein Kaiser im 120. Jahrhundert? Wodurch wurde seine Machtausübung eingeschränkt oder gar behindert? Wie lebte ein Kaiser in jener Zeit? Am Beispiel Ottos III. geht der Autor in einer neuen Biographie diesen und vielen weitren Fragen nach.
Der Mord und die Klage
Das Nibelungenlied und die Kulturen der Gewalt - Symposium Nibelungenliedgesellschaft Worms 2002
- 188 Seiten
- 7 Lesestunden
Vom Mythos des Prozesses der Zivilisation zu einer realistischen Gesellschaft der Gewalt - Barbaren werden gemacht, von den Handlangern der Zivilisation - Islam und Moderne, interreligiöse Gewalt und interreligiöser Friede bei muslimischen Intellektuellen der Gegenwart - Das Nibelungenlied und die Spielregeln der Gesellschaft im 12.Jahrhundert - Urszenen des Politischen, von der zivilisatorischen Funktion der Literatur und ihrem Ausfall am Beispiel des Nibelungenliedes - Hagen: valant oder trost der Nibelungen, Zur Unerträglichkeit ambivalenter Gewalt im Nibelungenlied und ihrer Bewältigung in der Klage - Gender Studies: Gewalt und das Nibelungenlied - Die Klage, die Irritation durch das Epos


