Peter Tschaikowsky ist bis heute einer der meistgespielten russischen Komponisten. Constantin Floros beschreibt auf der Grundlage neuester Forschungen und Quellenpublikationen die enge Verquickung von Biographie und Werk Tschaikowskys. Und er zeigt die ganze Vielseitigkeit des Musikers, der mit nur 53 Jahren unter noch immer umstrittenen Umständen in St. Petersburg starb.
Constantin Floros ist einer der Pioniere, die das formale Paradigma der Musikanalytik überwunden haben. Er schuf die theoretischen Grundlagen der "musikalischen Exegese" und präsentierte Interpretationen, die das Bild der Musik des 19. und 20. Jahrhunderts nachhaltig veränderten. In dem Buch "Der Mensch, die Liebe und die Musik", das sein wissenschaftliches und lebenslanges Credo darstellt, stellt Floros die im 20. Jahrhundert marginalisierten humanistischen Aspekte der Musik wieder in den Vordergrund. Ausgehend von der Frage nach der Bedeutung der Musik im Allgemeinen setzt er sich mit veralteten Vorstellungen, wie dem Konzept der "absoluten Musik", auseinander. Auf der Grundlage neuer interdisziplinärer Forschungen und zahlreicher, oft unbekannter Dokumente zeigt er, dass musikalische Meisterwerke, von Monteverdi bis Berg, als klangliche Sprache der Liebe gehört werden können: dass Mozarts Musik ein ganzes Repertoire an Figuren der Zärtlichkeit enthält, dass in Schumanns Werken versteckte Botschaften für Clara Wieck zu finden sind, dass in Wagners Musikdramen Mensch, Liebe und Musik eine untrennbare Einheit bilden und dass die Oper "Salome" von Strauss einen Ausdruck der psychopathologischen Liebe darstellt. Darüber hinaus wird das Thema "humanistische Musik" im Kontext anderer Schöpfer, u.a. Holst, Messiaen und Stockhausen, angesprochen.
Mit den Begriffen Visionär und Despot versucht der Autor, die vielschichtige Persönlichkeit Gustav Mahlers zu umreißen. Er eröffnet ein terra incognita und zeichnet eine umfassende Karte der verschiedenen Aspekte von Mahlers innerer Biografie: seinen unerschütterlichen Glauben an die Heiligkeit der musikalischen Kunst und sein stark ausgeprägtes Sendungsbewusstsein, sein Doppelleben als Dirigent und Komponist, seine Unnachgiebigkeit und Kompromisslosigkeit sich selbst und anderen gegenüber, sein Unbehagen mit der Welt, in der er lebte, die komplexen Facetten seiner Psyche und sein enormes Energiepotenzial. Das Ergebnis ist die Offenlegung neuer und unerwarteter Verbindungen zwischen Mahlers Persönlichkeit und seinem Werk.
Johannes Brahms wurde bisher weithin als der Archetyp des absoluten Musikers angesehen. Die Studie zeigt, wie eng autobiografische und poetische Elemente mit seinem Werk verbunden sind. Wie Robert Schumann folgte Brahms einer Ästhetik der poetischen Musik. In vielen seiner Kompositionen ließ er sich von persönlichen Erfahrungen, Gedichten oder Bildern inspirieren, was durch bisher unveröffentlichte Dokumente, Briefe und Tagebuchnotizen sowie durch eingehende Analysen einzelner Werke belegt wird. Auch Brahms' Persönlichkeit wird in einem neuen Licht gesehen. Er übernahm Joseph Joachims Motto Frei, aber einsam. Der tonale Code F - A - E, das musikalische Symbol dafür, kommt häufig in seinen Werken vor.
Ligetis Schlüsselwerke werden erstmals mit den zugehörigen Skizzen veröffentlicht, wodurch seine Persönlichkeitsbildung erhellt und die Kompositionen neu erfasst werden. Diese authentische Studie beleuchtet das Werk eines der bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten. Basierend auf Gesprächen mit Ligeti sowie eingehenden Analysen der Partituren und Entwürfe werden die Hauptwerke diskutiert. Zudem werden zentrale Fragen des heutigen Komponierens behandelt. Ligetis Interessen sind universell, umfassen Geschichte, Naturwissenschaft, Literatur, Kunst und Musik verschiedener Epochen und Ethnien. Er versteht Musik als einen Kosmos akustisch gestalteter Elemente, der Klang, Geräusch, Sprache, Vokales und Instrumentales vereint. Sein Schaffen zeichnet sich durch ein Zusammenspiel von „abwägender Ratio und lebhafter Phantasie, Kalkül und Spontaneität, stilisierender Emotionalität sowie einer Leidenschaft für das Neue in der Kunst“ aus. Constantin Floros, geboren 1930 in Hamburg, lehrte an der Universität Hamburg und gilt als Universalist, der von der Musik des Mittelalters bis zur Moderne forscht. Seine Nähe zu Ligeti und die intellektuelle Redlichkeit in seiner Analyse bieten eine gründliche und ästhetisch breite Perspektive auf das Werk des Komponisten, die über frühere Publikationen hinausgeht.
Constantin Floros zog 1993 die Quintessenz aus seiner jahrzehntelangen Beschäftigung mit dem Werk Alban Bergs und dechiffriert Schlüsselwerke Bergs vor dem Hintergrund biographischer Ereignisse. Durch reichhaltiges, bisher unveröffentlichtes Material erweitert Floros unser Berg-Bild und erbringt den Nachweis, daß Berg sein Leben in vielfältiger und verschlüsselter Form in zentrale Partituren „hineinkomponiert“ hat.