Diese Gedichte wollen noch immer: gar nichts.Großer Weltschmerz trifft auf kleine Alltagsfreuden. Handynotizen von einem, der planlos in den Tag lebt und so das schnelle Glück sucht. Irgendwo zwischen Depression und Lebenslust. Der Gang in die Kneipe ist auch die Flucht vor menschenverachtender Politik und Klima-Apokalypse. Die aufgeheizten Gedichte lesen sich als antikapitalistischer Appell an Genügsamkeit, Liebe und Genuss. Also wollen diese Gedichte vielleicht doch etwas?
Diese Gedichte wollen: gar nichts. In brandloch huldigt der Autor Selbstzerstörung, Exzess und der Abwehrhaltung gegenüber der eigenen Vernunft. Ohne zu klagen beschreiben die ehrlichen Texte einen manischen Lebensstil, der anstrengend und traurig und doch gefüllt ist von kindlichem Witz. Mit einem hustenden Loblied auf Zigaretten bringt Koch den Anti-Style in die deutsche Lyrik. Hubertus Koch, 1989 in Dorsten geboren, ist preisgekrönter Journalist und Filmemacher. Sein erster Gedichtband liest sich auch als Fortsetzung seines Debütfilms Süchtig nach Jihad – der Film eines kleinen Jungen. In absichtslosen Gedichten schwankt er zwischen Identitätsfragen, Sucht und dem verzweifelten Versuch, diese zu überwinden. Scheitern wird akzeptiert und der Grat zwischen Idealismus und Zynismus ist manchmal zu schmal, um ihn gehen zu können.
Kurz vor seinem 30. Geburtstag steckt Filmemacher Hubertus Koch in einer weiteren ausgebrannten Episode seines Lebens. Enttäuscht von den Klischees der Medienwelt und den leeren Glücksversprechen einer Leistungsgesellschaft kündigt er von einem Tag auf den anderen seinen Job und steigt in ein Flugzeug Richtung Osteuropa. Weit weg von zu Hause – in Bosnien, Montenegro und Albanien -, wo ihn niemand kennt und niemand etwas von ihm will, versucht er, sich selbst einzuholen. Auf seiner Reise reflektiert er das Leben und die Themen seiner Generation: die Bedeutung von Arbeit, die Täuschungen auf Social Media, Weltschmerz, Drogenexzesse und die Schwierigkeit, echte Beziehungen einzugehen. In Zeiten durchorganisierten Reisens und optimierten Lebens ist LOST BOY zugleich schroffe Abrechnung und zarter Love-Song, eine Ode an das Chaos und das analoge, ungeplante Reisen voller ehrlicher Begegnungen. LOST BOY zeigt, dass diese hässliche Welt so viel Schönes zu bieten hat: wenn man nichts von ihr will und statt auf etwas hinzuarbeiten, einfach nur beobachtet.