Von Ostarrichi zu Österreich
- 168 Seiten
- 6 Lesestunden



Am 6. August 1806 legte Kaiser Franz II. die Krone des Heiligen Römischen Reiches nieder, was das Ende der altenuropäischen Rechts- und Herrschaftsordnung besiegelte. Das Alte Reich konnte den Herausforderungen der Französischen Revolution nicht standhalten, und die jahrhundertealte Tradition des Sacrum Romanum Imperium wurde mit dieser Abdankung endgültig zerschlagen. An ihre Stelle trat das Prinzip des modernen Nationalstaats, dessen Siegeszug in Europa begann. Diese politische Zäsur führte langfristig, durch den Rivalitätskampf der europäischen Nationen, in die „Barbarei“ des 20. Jahrhunderts, brachte jedoch auch moderne demokratische Freiheiten hervor. Das Buch beleuchtet diese folgenschwere Weichenstellung und den radikalen Verfassungsbruch von 1806 anlässlich des 200. Jahrestags. Es zeigt die wirkmächtigen Prinzipien der alteuropäischen Reichsordnung und deren Gegensatz zum modernen Nationalstaat auf: Wahlkönigtum versus absolutistische Herrschaft, Friedenssicherung versus imperialistische Expansion, ständische Ungleichheit und Rechtsvielfalt versus moderne Rechtsgleichheit und Einheit. Der Weg zum Ende des Reiches ist als Triumph der Macht über das Recht zu beschreiben, bis 1806 die Friedensordnung des Alten Reiches aufgegeben wurde. Angesichts des europäischen Einigungsprozesses ist es an der Zeit, das gemeinsame Erbe des Heiligen Römischen Reiches als alternative Rechts- und Friedensordnung zu reflektieren.
Vom Ötzi über Oswald von Wolkenstein bis zu den Freiheitskämpfern um A ndreas Hofer, von altsteinzeitlichen Spuren menschlichen Lebens über römerzeitliche Transitstrecken, mittelalterliche Burg- und Städtegründungen bis ins von Kriegen erschütterte 20. Jahrhundert, das erst 1992 mit der Autonomie für die Südtiroler ein versöhnliches Ende Brigitte Mazohl und Rolf Steininger erzählen die wechselvolle Geschichte dieser uralten Kulturlandschaft zwischen germanischem Norden und romanischem Süden.Seit 15 000 Jahren leben Menschen in der durch schroffe Felsen und liebliche Täler gekennzeichneten Gebirgslandschaft, die wir Südtirol nennen. Von 59 v. Chr. bis zur Völkerwanderungszeit gehörte diese Transitregion zum Imperium Romanum, ab dem 6. Jahrhundert wurde sie von Bajuwaren besiedelt. 1363 fiel die Grafschaft Tirol an die Habsburger - für über ein halbes Jahrtausend. Seit 1919 ist Südtirol vom nördlichen und östlichen Landesteil abgetrennt. Doch in der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino wächst seit 1998 wieder zusammen, was zusammengehört.