Arbeit als Lebensstil
- 211 Seiten
- 8 Lesestunden




Wir kennen sie alle: Menschen, die jeden Unsinn mitmachen, weil es im Fernsehen kam oder weil Nachbarn und Kollegen davon erzählt haben. Dieses Handbuch wirft einen Blick auf den ganz normalen Mitläufer. Der tatsächlich mitrennt, wenn Gehen mit Stöcken plötzlich 'Nordic Walking' heißt, der Fangopackungen eklig fand und Sauna langweilig, aber jetzt ganz auf 'Wellness ' schwört. Der das 'Web 2.0' für aufregend hält und sich im 'Second Life' herumtreibt, obwohl er schon im ersten Leben nicht weiß, was er da soll.
Die Grenzöffnung im Herbst 2015 war ein tiefer Einschnitt in der deutschen Geschichte. Der Beginn der sogenannten „Flüchtlingskrise“ markiert eine massive Spaltung quer durch Familien und Freundschaften und eine unversöhnliche Polarisierung der politischen Lager. Praktisch alle Parteien, Medien, Kirchen, Künstler und zivilen Organisationen haben sich dabei von Anfang an geschlossen auf die Seite eines moralischen Universalismus gestellt, der jedes partikulare Interesse als nationalistisch, rassistisch oder „rechts“ verortete und seine Protagonisten als „Pack“, „Dunkeldeutschland“ oder „Hetzer“ in das gesellschaftliche Abseits stellte. Im Kern bleibt der moralische Universalismus unpolitisch. Denn seine abstrakten Forderungen reflektieren weder seine historischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen, noch die größtenteils irreversiblen Folgen seines eigenen Handelns. Ob die mit der Grenzöffnung bereits angestoßenen Entwicklungen noch eine Umkehr ermöglichen, kann niemand mit Sicherheit vorhersagen. Hauptbedingung für eine politische und vor allem mentale Wende ist aber eine nüchterne Analyse und Darstellung der Gegenwart, die sich an der Wirklichkeit, also an dem, was IST, und nicht an dem, was SEIN SOLL, orientiert. Die hier vorliegenden Essays wollen dazu einen Beitrag leisten.
Markenstrategien sind heute allgegenwärtig, Markenbotschaften durchdringen unseren Alltag („Ich bin doch nicht blöd.“). Marken werden verehrt („geile Nike-Schuhe sind ein Muss“) und gehasst (No logo!). Die Schaffung von „Markenpersönlichkeiten“ geht weit über den unmittelbaren Produtionsbereich hinaus. Längst haben nicht nur Hautcremes, Kaffees und Autos Markenpersönlichkeiten, sondern auch Verlage, Stadtverwaltungen oder Bundesländer („Wir können alles, außer Hochdeutsch“). eva wissen verarbeitet die aktuelle Diskussion um Titel von Sennett, Rifkin, Weiss und Klein. Es ist mit leichter Hand geschrieben dabei anspruchsvoll und clever.