Das Buch ist ein Geniestreich. Tellkamp schildert in eindringlichen Szenen die letzten Jahre der DDR. Wir lernen das Villenviertel am Weißen Hirsch in Dresden kennen und durchleiden mit dem Haupthelden eine Reihe von Erlebnissen in der Nationalen Volksarmee. Das Buch endet mit dem Mauerfall am 9.11.1989. "Der Turm" gehört zu den erfolgreichsten Büchern der jüngeren Gegenwart. Und es ist ganz klar, weshalb das so ist: Jede Seite ist ein Genuss. Der Umfang mit fast 1000 Seiten sollte nicht abschrecken. Das Buch kann in einzelnen Kapiteln gut dosiert gelesen werden, aber es ist auch möglich, irgendein Kapitel aufzuschlagen und nur dieses zu lesen. Das Buch ist ein Füllhorn von Geschichten. Ich kenne übrigens auch den Spielfilm zum Roman, aber das Buch gefällt mir besser. Uwe Tellkamp hat mit seinem Werk den Literaturmarkt bereichert.
Parameter
- 972 Seiten
- 35 Lesestunden
Mehr zum Buch
Hausmusik, Lektüre, intellektueller Austausch: Das Dresdner Villenviertel, vom real existierenden Sozialismus längst mit Verfallsgrau überzogen, schottet sich ab. Resigniert, aber humorvoll kommentiert man den Niedergang eines Gesellschaftssystems, in dem Bildungsbürger eigentlich nicht vorgesehen sind. Anne und Richard Hoffmann, sie Krankenschwester, er Chirurg, stehen im Konflikt zwischen Anpassung und Aufbegehren: Kann man den Zumutungen des Systems in der Nische, der »süßen Krankheit Gestern« der Dresdner Nostalgie entfliehen wie Richards Cousin Niklas Tietze - oder ist der Zeitpunkt gekommen, die Ausreise zu wählen? Christian, ihr ältester Sohn, der Medizin studieren will, bekommt die Härte des Systems in der NVA zu spüren. Sein Weg scheint als Strafgefangener am Ofen eines Chemiewerks zu enden. Sein Onkel Meno Rohde steht zwischen den Welten: Als Kind der »roten Aristokratie« im Moskauer Exil hat er Zugang zum seltsamen Bezirk »Ostrom«, wo die Nomenklatura residiert, die Lebensläufe der Menschen verwaltet werden und deutsches demokratisches Recht gesprochen wird. In epischer Sprache, in eingehend-liebevollen wie dramatischen Szenen entwirft Uwe Tellkamp ein monumentales Panorama der untergehenden DDR, in der Angehörige dreier Generationen teils gestaltend, teils ohnmächtig auf den Mahlstrom der Revolution von 1989 zutreiben, der den Turm mit sich reißen wird.









