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- 122 Seiten
- 5 Lesestunden
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Meine ersten Erinnerungen sind geprägt von häßlichen Szenen im Elternhaus. Die weinende, betrübt einherschleichende Mutter und der zornig scheltende Vater sind die fernsten Bilder. Ich erinnere mich, dass die Mutter immer krank war, und es gab weiterhin häßliche Auftritte. Ich fürchte, ich habe sie nicht so geliebt, wie sie es verdient hätte. Ihr stilles Dulden passte nicht zu meiner aufbrausenden Natur. Oft hätte ich ihrem Peiniger an die Kehle springen mögen, wenn er sie beleidigte, obwohl ich die Worte nicht verstand. Mit nicht einmal zwölf Jahren starb meine Mutter. Für sie war es eine Erlösung, für mich ein Unglück, dessen Tragweite ich erst später erkannte. Die Jahre nach ihrem Tod bis zu meinem fünfzehnten Lebensjahr erinnere ich als eine Kette von Unannehmlichkeiten. Lichtblicke erlebte ich bei meinen Großeltern, wo ich mich daheim fühlte. Nach einer ungerechten Züchtigung durch meinen Vater riss ich aus und wanderte zu Fuß zu ihnen. Einige Tage durfte ich bleiben, bis mein Vater kam und mich zurückholte, nicht aus Liebe, sondern aus Eigeninteresse. Ich begriff erst viel später, dass er mich nur zurückholte, um Nachsicht zu erhalten, während er mit seinen finanziellen Schwierigkeiten kämpfte. Oft hörte ich abends fröhliches Lachen und Gläserklingen aus den unteren Räumen, was meine Neugier weckte, doch die alte Rosine wies mich zurecht. Ich hatte jedoch nicht geträumt. Ich weiß es jetzt.
Buchkauf
Seelenverkäufer, Margarete Schuck
- Sprache
- Erscheinungsdatum
- 2022
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- (Paperback)
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