White Wedding
- 180 Seiten
- 7 Lesestunden
Mit diesem Ergänzungsband wird die exquisite Elfenbein-Sammlung Reiner Winkler, die seit Frühjahr 2019 in der Frankfurter Liebieghaus Skulpturensammlung bewahrt wird, vollständig publiziert.






Mit diesem Ergänzungsband wird die exquisite Elfenbein-Sammlung Reiner Winkler, die seit Frühjahr 2019 in der Frankfurter Liebieghaus Skulpturensammlung bewahrt wird, vollständig publiziert.
Vom 17. zum 18. Jahrhundert unterlagen das Verständnis und die Bedeutung der Liebe einem grundlegenden Wandel, der sich mit aller Macht auch in der Kunst Bahn brach. Die Liebe als Emotion des Individuums wurde zum Sinn des Lebens erhoben. Standardisierte Gefühlsdarstellungen wichen neuen Liebesmodellen, deren Verführungskraft die Zeitgenossen in ihren Bann zog. Der opulente Band präsentiert exquisite Gemälde, Skulpturen, Porzellanfiguren und Grafiken ebenso wie Tapisserien, Spiegel und Möbel, die alle um die Wiedergabe von Liebesbeziehungen sowie künstlerische Vorstellungen von Natürlichkeit kreisen und sich beim Adel wie bei Bürgern großer Beliebtheit erfreuten.
Seine Herkunft aus fernen unbekannten Ländern, seine Seltenheit und faszinierende Oberflächenbeschaffenheit machten das Elfenbein im Barock zu einer großen Kostbarkeit. Virtuose Meister fertigten daraus Kunstkammerstücke, die wenn auch keinerlei Gebrauchswert, so doch einen hohen Kunstwert besitzen und somit fürstlich-imperialem Repräsentationsanspruch dienten, zumal sie von großem Reichtum zeugten. Ihre höchste Blüte erlebte die Elfenbeinkunst in Wien zur Zeit von Kaiser Ferdinand III., Kaiser Leopold I. und des Fürsten Karl Eusebius von Liechtenstein. Sie beschäftigten berühmte Elfenbeinschnitzer wie Adam Lenckhardt, Johann Caspar Schenck, Matthias Steinl u. a. In Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Museum in Wien präsentiert die Ausstellung im Liebieghaus in Frankfurt a. M. eine Auswahl an Prunkschalen und -kannen, Deckelbechern, Pokalen, Inkunabeln, Reliefs, Skulpturengruppen usw., die nicht nur die barocke Pracht am Wiener Hof, sondern auch eine nie wieder erreichte Meisterschaft in der Behandlung des kostbaren Materials dokumentiert.
Der Bildhauer Jean-Antoine Houdon (1741 – 1828) ist einer der herausragenden französischen Künstler des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Dem Geist der Aufklärung verpflichtet, widmete er sich beispielgebend ihrem zentralen Anliegen, neue Formen für alte Motive zu finden. Insbesondere galt er als erfolgreichster Porträtbildhauer seiner Zeit. Sein temperamentvoller, Physiognomie und Charakter der Dargestellten tief erfassender Realismus und seine technische Meisterschaft verschafften ihm in ganz Europa und in den Vereinigten Staaten Ruhm und Aufträge. Die von Houdon 1781 geschaffene 'Frileuse', die 'Fröstelnde', gehört zu den berühmtesten Skulpturen ihrer Zeit. Sie verkörpert den Winter und wurde als Pendant zur Darstellung des 'Sommers' entworfen. Die beiden Skulpturen stehen im Mittelpunkt dieser Betrachtung, da sie den paradigmatischen Wandel, den die aufklärerische Kunst in Abgrenzung zum Barock vollzog, beispielhaft demonstrieren können. Ein weiterer Zugang zur Kunst Houdons eröffnet sich unter dem neuen Aspekt des vom Künstler verwendeten Materials. Houdons Porträtbüsten werden in diesem Zusammenhang mit Werken der Bildhauer Jean-Baptiste Pigalle, Augustin Pajou, Jean-Jacques Caffieri und Jean-Baptiste II. Lemoyne verglichen. Mit dem Thema der neuen Form rückt auch die Oberflächenmodellierung des jeweils gewählten Materials – Marmor, Bronze, Terrakotta oder Gips – in den Blick.
Franz Xaver Messerschmidt (1736-1783) is one of the most fascinating sculptors of the Enlightenment. His portraits - of members of the Imperial household as well as eminent philosophers and scholars - show how far he surpassed traditional portrait styles. German text. Franz Xaver Messerschmidt (1736-1783) ist bis heute einer der faszinierendsten Bildhauer der Aufklarung. Selbst wer mit dem Namen des Kunstlers nichts verbindet, ist doch seinen beruhmtesten Werken schon einmal begegnet: den Charakterkopfen. Fur seine fruhesten Werke, im wesentlichen Portrats des Kaiserhauses, erfuhr Messerschmidt allerhochste Zustimmung. Auch bedeutende Aufklarer und Gelehrte liessen sich von ihm portratieren. Mit diesen Portrats sagte er sich von der traditionellen Portratform los.