Vier Männer streifen durch Paris, besuchen ein elegantes Fest, beobachten die erotischen Strategien ihrer Mitmenschen. Alain entwickelt komplizierte Theorien über die Lust der jungen Mädchen, den Bauchnabel zu zeigen. Ramon würde endlich gern die Chagall-Ausstellung besuchen. Charles erläutert Stalins Witze, bei denen niemals jemand lachte. Und Caliban, der Schauspieler ohne Rollen, erfindet eine eigene Sprache, über die nur er sich kaputtlachen kann – bis das junge portugiesische Hausmädchen ihn versteht. Mit seinem ersten Roman nach vierzehn Jahren hat Milan Kundera das Porträt einer Epoche gezeichnet, die komisch ist, weil sie ihren Humor verloren hat.
Linda Asher Reihenfolge der Bücher (Chronologisch)






MILAN KUNDERA entwirft durch die großen Romane der Weltliteratur ein Bild Europas. Mit dem Wissen und den Gedanken der Romanciers - Rabelais und Flaubert, Gombrowicz und Broch - unternimmt Kundera die Verteidigung der europäischsten aller Künste, des Romans. Und manchmal scheinen die Bücher lebendiger als die Wirklichkeit selbst.
Die Unwissenheit
- 179 Seiten
- 7 Lesestunden
Irena hatte immer das Gefühl, sie könne über ihr Leben nicht selbst entscheiden. Seit sie Prag 1968 verlassen hat, lebt sie in Paris und fühlt sich weder hier noch dort zu Hause. Doch eines Tages trifft Irena einen Mann, den sie zu kennen glaubt. War er es nicht, mit dem damals, vor vielen Jahren, eine Liebesgeschichte begann? Plötzlich scheint es möglich, die Erfahrungen, die Erinnerungen miteinander zu teilen und ein neues, eigenes Leben zu beginnen ...
Chantal und Jean-Marc sind ein glückliches Paar. Als Chantal eines Tages entdeckt, daß sich die Männer nicht mehr nach ihr umdrehen, ist Jean-Marc voller Mitgefühl. Dann, eines Tages bekommt sie einen Liebesbrief. Für kurze Zeit entfacht der anonyme Bewunderer - der Stammgast im Bistro, oder vielleicht der Bettler an der Ecke? - eine neue Leidenschaft in ihr. Aber wie reagiert Jean-Marc? Fast unmerklich wird aus der höchst realistischen Liebesgeschichte für die beiden ein Alptraum. »Vor der Wucht dieses aufregenden Textes gibt es kein Entkommen.« Verena Auffermann, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
Milan Kundera zeigt mit seiner Hommage an die abendländische Kultur, dass er auch ein großartiger Essayist ist. Mit tänzelnder Leichtigkeit schwingt er sich von Kafka zu Strawinsky, von Janácek zu Gombrowicz. Gegen den Verrat an den kostbaren Vermächtnissen, weil falsch übersetzt oder ediert wurde, geht Kundera mit scharfen Seitenhieben vor. Ein heiterer und aufschlussreicher Streifzug durch die Schätze der europäischen Kultur.
Die Langsamkeit
- 150 Seiten
- 6 Lesestunden
Wo viele Menschen zusammenkommen, bleibt erotische Spannung nicht aus. In einem französischen Edellandgasthof treffen einander Teilnehmer eines internationalen Symposions, in dessen Gefolge Medienleute und Pariser Schickeria-Intellektuelle und schließlich ein Ehepaar, das nichts anderes als ein genüßliches Wochenende verleben möchte. Keineswegs wollen alle immer das eine, manche aber auch. Eine fröhliche Liebesnacht dürfen aber nur ein Chevalier und seine Gespielin verbringen, die sich aus ihrer Rokoko-Novelle Nur eine Nacht in diese gemischte Gesellschaft verirrt haben. Diese beiden hatten Phantasie und Geduld genug, sich für ihre Liebesspiele Zeit zu lassen.
Maigret sitzt im Hôtel de l'Amiral und raucht eine Pfeife nach der anderen. Eigentlich wurde er nach Rennes beordert, um die mobile Einsatzbrigade neu zu organisieren, doch seit in Concarneau ein angesehener Weinhändler fast erschossen und in den Flaschen des Hotels Gift gefunden wurde, herrscht helle Aufregung in der Hafenstadt. Während sich ein junger Inspektor aus Rennes auf Spurensuche begibt, beobachtet Maigret das Kommen und Gehen im Café des Hotels und die verängstigten Stammgäste. Warum glauben sie, die nächsten Opfer zu sein? Und was hat es mit dem gelben Hund auf sich, der an jedem Tatort auftaucht?
Die sieben Teile von Kunderas Essay kreisen um die Geschichte des europäischen Romans von Cervantes bis Kafka und Broch, wobei der Roman nicht nur als literarische Gattung, sondern emphatisch als eigenständige Zugangsweise zur Welt aufgefaßt wird. Aufgabe des Romans sei es - so lautet Kunderas These -, einen bislang unbekannten Aspekt der menschlichen Existenz zu enthüllen und zu erforschen. Der Roman konkurriert demnach mit der Philosophie und besitzt ebenso großes kulturelles Gewicht wie diese. Neben scharfsinnigen Beobachtungen zu modernen Romantechnik enthält der Essay lange Passagen der Selbstinterpretation, die sich insbesondere auf Der Scherz und Die uneträgliche Leichtigkeit des Seins beziehen. Deutlich wird dabei, wieviel penible Technik und kompositorisches Können in scheinbar so leichtfüßigen Texten verborgen sein kann. Daneben liefert Kundera überzeugende Argumente gegen den angeblichen Tod des europäischen Romans. - Wohl selten in der Literaturgeschichte hat sich ein Romancier öffentlich so eingehend mit dem eigenen Handwerk befaßt: das „Bekenntnis eines Praktikers“.

