In einem kolumbianischen Tropendorf herrscht seit Jahren der Ausnahmezustand. Das Leben ist erstarrt, und die Menschen hoffen vergeblich auf Veränderung, auf Befreiung von der Militärdiktatur. Der Oberst, der mit seiner Frau in großer Armut lebt, erwartet seit 56 Jahren auf einen Brief der Regierung und eine Bestätigung seiner Veteranenpension. Doch niemand schreibt dem Oberst. Als einziger Besitz ist ihm noch der Kampfhahn seines Sohnes geblieben, der wegen Verteilung illegaler Flugblätter von der Polizei erschossen wurde. Bei aller Armut kann der Oberst sich nicht entschließen, den Hahn zu verkaufen. Umjubelt von den jungen Leuten des Dorfes behauptet sich der Hahn bei einem Training in der Arena, und der Oberst weiß nun, daß dieser Hahn für ihn und das Dorf ein Symbol der Hoffnung und des Widerstands ist.
J.S. Bernstein Reihenfolge der Bücher (Chronologisch)


Gabriel García Márquez: »Die Seele Lateinamerikas« Cosmopolitan Als Meister des magischen Realismus erweist sich Gabriel García Márquez in dieser Sammlung seiner besten Erzählungen, die nach den erfolgreichen Ausgaben der Erzählungen von Heinrich Böll und Joseph Roth nun ebenfalls in einer schön gestalteten und preiswerten Ausgabe vorliegen werden. Die Erzählungen dieses Bandes sind thematisch und stilistisch miteinander verwoben. Immer wieder tauchen in unterschiedlichen Situationen die Menschen seines Kosmos auf, ob nun als Hauptpersonen oder als Randfiguren. Die ersten, jugendlich-schwermütigen Texte sind in einer phantastischen Wirklichkeit angesiedelt, deuten aber schon auf den Macondo-Mythos von Hundert Jahre Einsamkeit hin. Auf Mitglieder der Familie Buendía trifft der Leser dann in den Erzählungen, die im Umfeld dieses Jahrhundertromans entstanden sind. In den nach Hundert Jahre Einsamkeit geschriebenen Erzählungen führt García Márquez neue phantastische Figuren ein – den gefallenen Engel mit dem Aussehen eines gerupften Huhns, Blacamán, den Wunderverkäufer, die fast die ganze Welt beherrschende jungfräuliche Große Mama oder Eréndiras böse Großmutter mit dem grünen Blut. Die Erzählungen dieses Bandes entstanden zwischen 1947 und 1972. Titel der Originalausgaben: Ojos de perro azul/ Los funerales de la Mamá Grande/ La incríble historia de la candida Eréndira y de su abuela desalmada.