De tegenstander
- 160 Seiten
- 6 Lesestunden
Emmanuel Carrère widmet sich in seinem umfangreichen Werk primär der Auseinandersetzung mit Identität, der Entwicklung von Illusionen und der Lenkung der Realität. Sein literarischer Stil, der fließend die Grenzen zwischen Fiktion und Nichtfiktion überschreitet, zieht den Leser in tiefe Reflexionen über das menschliche Dasein. Carrère verknüpft meisterhaft persönliche Erfahrungen mit universellen Themen und schafft so Werke, die sowohl intim als auch anregend sind. Sein einzigartiger Schreibansatz macht ihn zu einer herausragenden Stimme in der zeitgenössischen französischen Literatur.






Philip K. Dick (1928–1982) zählt zu den einflussreichsten US-amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Seine Werke, darunter Romane und Kurzgeschichten, wurden vielfach verfilmt, mit internationalen Erfolgen wie Blade Runner und Total Recall. Dick beschäftigte sich zeitlebens mit der Frage, welche inneren und äußeren Kräfte unser Denken und Handeln beeinflussen. In seinen fantastischen Szenarien thematisierte er die verheerenden Folgen, wenn Menschen an der Realität ihrer Wahrnehmungen zweifeln oder gar an ihrer Menschlichkeit. Besonders seine 1977 geäußerte Vermutung, dass wir in einer Simulation einer Künstlichen Intelligenz leben, erlangt heute neue Bedeutung. Dicks mystische Visionen und seine Überzeugung, von Geheimdiensten überwacht zu werden, werfen die Frage auf, ob sie das Ergebnis von Drogenpsychosen waren oder ob er tatsächlich Zugang zu einer verborgenen Realität hatte. Emmanuel Carrère schildert Dicks Lebensweg vom Plattenverkäufer zum selbsternannten Messias in einem Amerika, das von Paranoia und Spaltung geprägt war. Dabei bietet er faszinierende Perspektiven auf die Gegenwart, die Rolle von Technik und Macht und stellt existenzielle Fragen, die bis zu den Wurzeln der westlichen Zivilisation reichen.
Die Terroranschläge in Paris
Im September 2021 beginnt in Paris ein Jahrhundertprozess, der die Folgen der Terroranschläge vom 13. November 2015 behandelt. An diesem Tag sprengten sich sieben IS-Kämpfer in der Konzerthalle Bataclan, in Cafés und vor dem Stade de France in die Luft, töteten 131 Menschen und verletzten fast 700. Die Attentate führten zur Ausrufung des Ausnahmezustands in Frankreich, der zwei Jahre lang anhielt, und veränderten nachhaltig das Bild der Gesellschaft. Der Prozess, von Insidern als „V13“ bezeichnet, zielt darauf ab, das nationale Trauma zu verarbeiten, Hunderte von Perspektiven zu berücksichtigen und ein Urteil zu fällen. Emmanuel Carrère begleitete den Prozess über neun Monate und verfasste wöchentliche Kolumnen aus dem Gerichtssaal, in denen er über die Akteure, das Grauen, unerwartete Menschlichkeit und die Funktionsweise der Rechtsprechung berichtete. V13 bietet ein vielstimmiges Porträt eines Prozesses, in dem eine erschütterte Gesellschaft nach Heilung sucht. Der eigens gebaute Gerichtssaal ermöglicht es, dass alle Beteiligten zu Wort kommen. Carrère fragt: Wer waren die Opfer und Täter? Wie entsteht Terrorismus? Warum geschah, was geschah? Mit diesem Werk geht Carrère durch tiefstes Dunkel, um Liebe, Hoffnung und Licht zu finden.
Nouvelle édition - Nouveaux programmes - Texte intégral et dossier
'LE SAMEDI MATIN DU 9 JANVIER 1993, ALORS QUE JEAN CLAUDE ROMAND TUAIT SA FEMME ET SES ENFANTS, J'ÉTAIS AVEC LES MIENS À UNE RÉUNION PARENTS-ENSEIGNANTS... Qui pourrait croire que Romand était un meurtrier ? C'était, après tout, un médecin réputé à l'Organisation mondiale de la santé, un chercheur novateur avec des liens avec des figures humanitaires internationales, un génie financier chargé des économies de ses beaux-parents, et un fils aimant qui appelait ses parents chaque soir pour leur dire bonne nuit. Mais lorsque un parent est allé annoncer la terrible nouvelle du meurtre de sa femme et de ses enfants aux parents de Romand, eux aussi étaient morts - tués par l'étranger qui avait été leur fils. Maître acclamé du suspense psychologique, Emmanuel Carrère explore la double vie d'un médecin respectable, dix-huit ans de mensonges, cinq meurtres, et les extrêmes auxquels un homme ordinaire est prêt à aller pour se protéger.'
Jeanne, ses études terminées, a quitté sa Bretagne natale pour vivre à Paris. Elle a trouvé un emploi temporaire d'« accueillante » à la Tannerie, une nouvelle institution culturelle, installée dans une usine désaffectée de Pantin.D'abord déboussolée par le gigantisme et l'activité trépidante du lieu, timide et ignorante des codes de la jeunesse parisienne, elle prend peu à peu de l'assurance et se lie à quelques-uns de ses collègues, comme la délurée Marianne ou le charismatique Julien, responsable du service accueil.Elle les accompagne dans leurs déambulations nocturnes, participe à des fêtes. Leur groupe se mêle au mouvement Nuit debout. Ils se retrouvent dans des manifestations, parfois violentes - mais sans véritablement s'impliquer, en spectateurs.Bientôt, deux ans ont passé. Dans l'effervescence de la Tannerie, en pleine expansion, chacun tente de se placer pour obtenir enfin un vrai contrat ou décrocher une promotion. Jeanne va devoir saisir sa chance.La Tannerie - tel un microcosme de notre société - forme une monde à part entière, avec ses techniciens, ses employés de bureau, ses artistes. Mais derrière la bienveillance affichée et le progressisme des intentions, la précarité et la violence dominent.Avec ce roman, qui frappe autant par la finesse de ses descriptions que par sa force critique, Celia Levi fait le portrait d'une époque et d'une génération en proie aux ambitions factices et à l'imposture des discours.
Was wäre, wenn Deutschland und Japan den Zweiten Weltkrieg gewonnen und die USA unter sich aufgeteilt hätten. Der Klassiker der Alternativwelt-Literatur, erstmals in ungekürzter Neuübersetzung. Mit einem Anhang aus dem Nachlass des Autors. „Philip K. Dick war einer der größten Visionäre, die die amerikanische Literatur des 20. Jahrhunderts hervorgebracht hat.“ L. A. WEEKLY
An einem kalten Februarmorgen 1993 sieht die Fotojournalistin Darcy Padilla eine Achtzehnjährige mit einem Neugeborenen im Arm in der Lobby des Ambador-Hotels in San Francisco stehen – barfuß. Sie bittet sie, ein Foto von ihr machen zu dürfen. Sie wird Julie die nächsten achtzehn Jahre bis zu deren Aids-Tod im Jahr 2010 als Chronistin ihres Lebens und Freundin fotografisch begleiten. Als Emmanuel Carrère die Fotos zum ersten Mal sieht, beschließt er, sich auf die Spuren der beiden Frauen zu begeben, und reist in die USA. Als Meister der dokumentarischen Erzählung beschreibt er Julies Lebensweg und die Freundschaft der beiden ungleichen Abhängigkeiten, familiäre Katastrophen, Beziehungen, Geburten und Abschiede, viele tragische und wenige heitere Momente in einem Milieu, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint. Denn Julie ist ein Fall von Padillas Bilder und Carrères Text werfen die Frage nach der sozialen Bedingtheit eines Schicksals auf, nach dem Gebot der Anteilnahme angesichts von Lebenswegen, die aussichtslos erscheinen.
Read the definitive essay collection from the Sunday Times bestselling author of The Adversary, dubbed 'France's greatest writer of non-fiction' (New York Times) 'The most exciting living writer' Karl Ove Knausgaard Over the course of his career, Emmanuel Carr re has reinvented non-fiction writing. In a search for truth in all its guises, he dispenses with the rules of genre. For him, no form is out of reach- theology, historiography, reportage and memoir - among many others - are fused under the pressure of an inimitable combination of passion, curiosity and intellect that has made Carr re one of our most distinctive and important literary voices today. 97,196 Words introduces Carr re's shorter work to an English-language audience. Featuring more than thirty extraordinary texts written over an illustrious twenty-five-year period of Carr re's creative life, the book shows a remarkable mind at work. Spanning continents, histories, and personal relationships, 97,196 Words considers the divides between truth, reality and our shared humanity, exploring remarkable events and eccentric lives, including Carr re's own. * A New York Times Notable Book *
Alles beginnt gut: Emmanuel Carrère erfreut sich eines gelungenen Lebens und plant ein feinsinniges Büchlein über Yoga. Heiter und sachkundig will er seine Erkenntnisse über die »inneren Kampfkünste« darlegen, die er seit einem Vierteljahrhundert praktiziert. Bei seinen Recherchen in einem Meditationszentrum läuft noch alles bestens, doch dann wird er eingeholt: vom Tod eines Freundes beim Anschlag auf Charlie Hebdo, von unkontrollierbarer Leidenschaft, Trennung und Verzweiflung. Sein Leben kippt, eine bipolare Störung wird diagnostiziert und Carrère verbringt vier quälende Monate in der Psychiatrie, wo er versucht, seinen Geist mit Gedichten an die Leine zu legen. Entlassen und verlassen lernt er auf Leros in einer Gruppe minderjähriger Geflüchteter ganz anders Haltlose kennen, aber findet auch Trost durch Musik und Gespräch. Zurück in Paris stirbt sein langjähriger Verleger, und doch gibt es am Ende auch wieder Licht. Denn Yoga ist die Erzählung vom mal beherrschten, mal entfesselten Schwanken zwischen den Gegensätzen. Durch eine schonungslose Selbstanalyse zwischen Autobiografie, Essay, Chronik und Roman gelingt Carrère der Zugang zu einer tieferen Wahrheit: was es heißt, ein in den Wahnsinn der heutigen Welt geworfener Mensch zu sein.
« Il est avantageux d’avoir où aller » : quand on lui demande son avis, c’est une des choses que répond le Yi-King , l’antique livre de sagesse chinoise. Alors on y va. Le premier des reportages qu’on trouvera ici se lance sur les traces de Dracula en Roumanie, après la chute de Ceausescu. L’un des derniers se mêle aux riches et aux puissants du monde réunis au Forum de Davos. Entre les deux, il y a beaucoup de patrouilles sur le front de l’Est, dans le chaos postcommuniste, des récits de procès criminels, des projets de films, des éloges de livres aimés, une vie du mathématicien Alan Turing, une rencontre désastreuse avec Catherine Deneuve et même une série de chroniques un peu pornos écrites avec une délicieuse sensation d’impunité pour un magazine italien. Le tout peut se lire aussi comme une sorte d’autobiographie.
The diarist's father is killed and mother badly injured during an air strike, he is sentenced to 40 lashes for speaking out against a beheading, he sees a woman stoned to death. This book shows how every aspect of life is impacted - from the spiralling costs of food to dictating the acceptable length of trousers.
A linguist flying to a conference in Helsinki has landed in a strange city where he can't understand a word anyone says. As one claustrophobic day follows another, he wonders why no one has found him yet, whether his wife has given him up for dead, and how he'll get by in this society that looks so familiar, yet is so strange. In a vision of hell unlike any previously imagined, Budai must learn to survive in a world where words and meaning are unconnected. A suspenseful and haunting Hungarian classic. Translated by George Szirtes.Ferenc Karinthy was born in Budapest in 1921. He obtained a PhD in linguistics and went on to be a translator and editor, as well as an award-winning novelist, playwright, journalist and water polo champion. He is the author of over a dozen novels. Metropole is the first to be translated into English.
»Nicht auch noch Sie! Calais ist zu einem Zoo geworden, und ich bin eine Kassenfrau in diesem Zoo«, schreibt eine Bewohnerin von Calais an Emmanuel Carrère, als er im Frühjahr 2016 in der nordfranzösischen Stadt eintrifft, um eine Reportage zu schreiben. Früher berühmt für die Herstellung von Webspitze, ist Calais heute für seinen ›Dschungel‹ berüchtigt, das mittlerweile geräumte, größte Flüchtlingscamp Europas, Sinnbild für das Versagen von Politik, für empathielos zur Schau gestelltes Mitleid, für ein Europa im Zangengriff seiner eigenen Werte und Interessen, aber auch für das Ankämpfen gegen all das. Nein, Carrère schreibt nicht über den ›Dschungel‹, sondern antwortet mit einer politischen Reportage in Briefform, in der er die Einwohner von Calais, ihre Verelendung, Arbeitslosigkeit und Fremdenfeindlichkeit, aber auch ihren Idealismus und ihre hochgehaltenen Hoffnungen zu verstehen versucht. Er trifft Menschen aus allen Schichten und mit verschiedensten politischen Ansichten und zeichnet ein überraschendes Bild einer französischen Gesellschaft, der die Arbeit ausgegangen ist.
SOMMAIRE : 28. Sommaire et édito Le rêve de Lagos Les orphelines du peuple fantôme Retour au Viêtnam La vie sans les hommes À la recherche de l’homme-dé La belle échappée La leçon polonaise Monsieur et Madame Zhang L’oiseau de Palestine : Enquête sur Khaled Jarrar Entretien avec Malek Chebel Bataye Kok Les mariés de la frontière
Das Enfant terrible der russischen Literatur Eduard Limonow war spätestens seit der Gründung der Nationalbolschewistischen Partei eine der umstrittensten und widersprüchlichsten Figuren Russlands. Sein abenteuerliches Leben führte er mit schwindelerregender Intensität. Er hatte Sex mit unzähligen Männern und Frauen, verführte Minderjährige, wurde Familienvater, lebte als hungerleidender und partyfeiernder Dandy in den USA und in Paris, gründete eine Partei, kämpfte als Freiwilliger in diversen Kriegen, tötete und saß im Gefängnis. Seine politische Wandlung vollzog sich von extrem links nach extrem rechts – bis hin zur Auflösung dieser Begriffe. Carrère erzählt in dieser alle Genres sprengenden Romanbiografie, die die Leserin von der ersten Seite an in gefesselte Aufmerksamkeit versetzt, die schillernde Geschichte dieses Autors, der wie im Brennglas die Widersprüchlichkeit Russlands repräsentiert. Carrère rekonstruiert ein Leben, das fasziniert und abstößt – und skizziert wie nebenbei seine eigene Annäherung an das heutige Russland.
Welches Verhältnis hat das Abendland zu seiner Religion? Emmanuel Carrère stellt diese zentrale Frage und erforscht die Anfänge des Christentums. Er untersucht, wie es gelingt, an Dinge zu glauben, die dem Verstand widersprechen, und eine revolutionäre Ethik zu vertreten, die Schwache stärkt. Mit Ironie und ernsthaftem Nachdruck zeichnet Carrère das Bild einer antiken Welt, die viele Parallelen zu unserer heutigen aufweist. Zwei Lebenskrisen führen Carrère zur Frage, wie Menschen an das Unverstandene glauben können. Er folgt den Spuren des Revolutionärs Paulus und des Intellektuellen Lukas, zwei Schlüsselfiguren des Christentums. In einer von römischem Pragmatismus dominierten Welt zeigt er den Wunsch nach tieferem Sinn und Gemeinschaft. Immer wieder zieht er Vergleiche zum 21. Jahrhundert und reflektiert über die Relevanz der christlichen Werte, die auch heute noch spürbar sind, unabhängig von persönlichem Glauben. Carrère überschreitet Genregrenzen und verbindet dokumentarische und fiktionale Elemente, um eine menschliche Perspektive auf seine Protagonisten zu gewinnen. Er verwebt seine eigene Lebensgeschichte mit der historischen Erzählung und konfrontiert die Leser mit den vielfältigen Facetten von Glauben und Nichtglauben. Die Fragen nach den christlichen Werten, die aufgeworfen werden, sind heute von zentraler Bedeutung.
Vom Leben und Lieben im Angesicht des Todes. 2004 wurde Emmanuel Carrère Zeuge der Tsunami- Katastrophe. In den Trümmern des Desasters lernte er ein junges Paar kennen, dessen Tochter von der Welle fortgerissen wurde. Carrère kümmert sich um die verwaisten Eltern – und beginnt ihre Geschichte zu schreiben. Zurück in Paris, umlagert das Unglück weiter Carrères Leben: Seine Schwägerin stirbt und lässt drei Kinder zurück. Carrère gibt den großen und kleinen Katastrophen ein Gesicht. Dabei ist sein Schreiben immer präzise und zugleich ergreifend.
Une nuit, un scénariste de Hollywood imagina en rêve la plus gracieuse et originale des histoires. Du début à la fin, il en suivit la progression dramatique imparable, les péripéties, l'agencement ingénieux et naturel. Dans un demi-sommeil, il griffonna quelques mots qui, peut-être, lui permettraient de reconstituer la merveille, le lendemain. Au matin, il trouva sur son bloc le résumé lapidaire de ce qui lui avait paru si neuf - et qui l'était, n'en doutons pas : Boy meets girl. On pourrait résumer ainsi L'Amie du jaguar : un garçon rencontre une fille. Son sujet choisi, l'auteur a tâché d'organiser cette rencontre et de raconter ce qui en résulte selon la capricieuse nécessité qui, dans son rêve, avait émerveillé le scénariste. Ainsi est-il question, dans ce roman, des rites funéraires en usage dans la colonie française de Surabaya (Indonésie), d'un jeu appelé le loto chantant, des rapports entre les sentiments exprimés dans une lettre et le bureau de poste choisi pour l'expédier, de stations prolongées dans des ascenseurs, de parenthèses, d'un ou plusieurs crimes atroces dissimulés dans un manuel de graphologie, de grimaces, de quatorze karatékas, d'un trafic de zombies entre Biarritz et Surabaya, d'amour surtout et de fabulations. Cette liste, bien entendu, n'est pas exhaustive.
Emmanuel Carrère begibt sich in diesem radikalen autobiografischen Roman auf die Spur eines ungarischen Soldaten, der 1944 verschwand, bevor man ihn 53 Jahre später als einen Kaspar Hauser ohne Sprache in der Psychiatrie eines entlegenen russischen Provinznests wiederfand. Das Leben des Ungarn zwingt Carrère, sich mit dem tragischen Leben seines eigenen Großvaters auseinanderzusetzen, eines georgischen Emigranten, der ebenfalls 1944 als Kollaborateur verschwand - und seitdem als streng gehütetes Geheimnis die schweigende Familie beherrscht. Vor dem Hintergrund der großen gesellschaftlichen Bewegungen und historischen Ereignisse in Europa erzählt Carrère von der Bedeutung des Schweigens und des Sprechens, von den weißen Stellen und blinden Flecken in den Geschichten, die jede Familie und jeder Einzelne von sich entwirft.
Alles begann ganz harmlos: Eine versäumte Medizin-Klausur, eine kleine Lüge, die größere nach sich zog, und der Student Jean-Claude Romand kam aus dem Tritt. Um den schalen Geschmack seiner Erfolglosigkeit zu kaschieren, entwickelte er ein Doppelleben: Jahre später glaubte jeder in dem zweifachen Vater einen Arzt der Weltgesundheitsorganisation zu sehen. Nach außen ein gelungenes Leben, aber nichts war echt. Schließlich treibt die unablässige Mimikri ihn in die Ecke, er löscht seine Familie aus und will sich selber richten: Amok. Die Abgründigkeit dieser Geschichte scheint von Dostojewskij zu stammen, und doch hat sie sich 1993 in einem kleinen französischen Ort an der Schweizer Grenze zugetragen. Vor aller Augen entspannte sich eine Tragödie und niemand, nicht einmal die Ehefrau, hatte nur das geringste geahnt. War da kein Spalt im Leben? Diese Frage ließ Emmanuel Carrère nicht los. Es gibt viele dieser Fälle, und fast nie haben wir eine Chance hinter die Geschichten zu schauen. Doch Carrère gelang es - mit Distanz und psychologischen Gespür entdeckt er uns die Innenwelt einer gigantischen Lüge, die unausweichlich tragisch endete.
Eines Tages, um Ihre Frau und Ihre Freunde zum Lächeln zu bringen, rasieren Sie den Schnurrbart, den Sie seit zehn Jahren tragen. Niemand bemerkt es oder, schlimmer noch, jeder tut so, als hätte er es nicht bemerkt, und Sie lächeln gezwungen. So gezwungen, dass Sie bald überhaupt nicht mehr lächeln. Sie bestehen darauf, man versichert Ihnen, dass Sie niemals einen Schnurrbart hatten. Würden Sie verrückt werden? Möchte man, dass Sie das glauben? Oder ist etwas in der Ordnung der Welt zu Ihren Lasten aus den Fugen geraten? Die Geschichte endet auf jeden Fall sehr schlecht und lässt Sie, von unmöglichen Interpretationen zu irrationalen Fluchten, ohne Ausweg zurück. Oder doch, einen, den die letzten Seiten öffnen und den es stark zu vermeiden gilt, um in das Buch einzutreten. Sie sind gewarnt.
Nicolas, ein zehnjähriger Junge, wird von seinem Vater in die verschneiten Berge gefahren, wo er zwei Wochen mit seiner Klasse beim Skifahren verbringen soll. Sein Vater hatte darauf bestanden, ihn selbst hinzubringen und nicht mit der Klasse im Bus mitfahren zu lassen - angeblich aus Sicherheitsgründen. Für Nicolas ist dies nur der Anfang einer Kette von Ereignissen, die ihn in einer unentrinnbaren Weise zum Außenseiter machen. Als er erfährt, daß ein Junge aus der Umgebung, der in derselben Nacht, in der sein Vater wieder zurückfuhr, vermißt wurde, tot und grausam verstümmelt aufgefunden wird, phantasiert er einen Zusammenhang zwischen dem Verschwinden des Jungen und seinem Vater. Nicolas erfährt nicht genau, was passiert, aber er ahnt etwas, er erfindet Geschichten, durchsetzt mit Dingen, die ihm sein Vater unter dem Siegel der Verscwiegenheit erzählt hatte und die sich wie eine Schlinge immer enger um seinen Hals legen.
Ein literarischer Führer
Joseph Roth: Ich will hier heimise.. Der nicht zu Hause. Ich möchte kommen und gehen, kommen und gehen. Thomas Mann: Schließlich, man braucht eine Kommode! Anaïs Nirs: Dagegen habe ich festgestellt, daß die Betten fremder Hotelzimmer, in denen anonyme Liebende gelegen hatten, meine Einbildungskraft anstachelten. Kurt Tucholsky: In einem fremden Hotelzimmer öffnet man das Fenster und macht es wieder zu und geht hin und her. Dann lege ich den Kopf an die Scheibe und mache ein dummes Gesicht. Die Nägel könnte ich mir auch mal schneiden. Was tue ich eigentlich hier? Franz Kafka: Ich kann fast von jedem Hotelzimmer, in dem ich gelebt habe, nur das Beste erzählen. Eine Liebeserklärung an das Leben im Hotel.
For his many devoted readers, Philip K. Dick is not only one of the 'most valiant psychological explorers of the 20th century' (The New York Times) but a source of divine revelation. Dick, whose work inspired such films as Blade Runner, Total Recall, and Minority Report, dedicated his life to solving one ultimately unanswerable question: What is real? In the riveting style that won accolades for The Adversary, Emmanuel Carrre follows Dick's strange odyssey from his traumatic beginnings in 1928, when his twin sister died in infancy, to his lonely end in 1982, beset by mystical visions of swirling pink lights, three-eyed invaders, and messages from the Roman Empire. Drawing on interviews as well as unpublished sources, Carrre traces Dick's multiple marriages, paranoid fantasies, and vertiginous encounters with the drug culture of sixties California. He vividly conjures the spirit of this restless observer of American postwar malaise whose more than fifty novels subverted the materials of science fiction-parallel universes, intricate time loops, collective delusions-to create classic works of contemporary anxiety. As disturbing and engrossing as a book by its subject, Carrre's unconventional work interweaves life and art to reveal the maddening genius whose writing foresaw-from cloning to reality TV-a world that looks ever more like one of his inventions.
Based on the legendary evening at Lake Geneva that ostensibly inspired Mary Shelley's Frankenstein, Gothic Romance intertwines parallel stories of suspense set in the early 19th century and latter-day London.
FROM THE BESTSELLING AUTHOR OF THE ADVERSARYOne morning, a man shaves off his long-worn moustache, hoping to amuse his wife and friends.
Frédérique est professeur de collège. Elle vit avec son fils Quentin, séparée de son mari Jean-Pierre, qu'elle voit souvent, avec qui elle passe parfois des vacances. Ainsi les quelques jours de la Toussaint, à Trouville. Si on allait finir la soirée au casino ? La roulette ? Un jeu simple. Frédérique a trente-six ans. Elle joue pour la première fois le 36, perd, rejoue, gagne. Et rentre à Paris. Elle étudie, comme on prépare un concours, les différentes catégories de mises : plein, transversale, cheval, sizain... Et repart jouer. Par Passion ? Allons donc. Ces vertiges lui vont mal. Son lot, c'est l'envie de les éprouver. Un jour pourtant, sans rien décider, elle abandonne à la roulette la conduite de sa vie et se met au pied du mur, en espérant, après l'avoir sauté, être enfin délivrée, hors d'atteinte...