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Seit Jahren beerdige ich meine Mutter. Ich stelle mir jedes Detail ihres Sterbens vor. Ich versuche, ihren Tod zu zähmen, so wie ich in meiner Kindheit ihren Charakter zähmte. Indem ich Candida tötete, wollte ich meine Scham tilgen. Nicht die Scham von: einfach nur Scham. Ich hatte immer Scham, wie andere den Ausschlag. Als der Tod eintrat, verspürte ich sofort dieses Jucken. Doch nichts geschah so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Lange erzählte ich mir Geschichten, um unserer zu entkommen. Natürlich holte mich die Wahrheit des Erzählens schließlich ein. Als ich zur Archivstraße ging, wusste ich, was mich erwartete. Ein letztes Mal rief ich die Zeugen zusammen, befragte die Geister und folgte den unwahrscheinlichsten Spuren, nur um festzustellen, dass das Rätsel bestehen blieb. Vollständig. Beim Schreiben dieser Seiten gab ich mich nicht einem Gefühl der Dringlichkeit hin; ich wollte lediglich den Schlussstrich unter den Text ziehen, der seit meiner Geburt in mir geschrieben wird. M. del C.
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Strasse der Erinnerung, Michel del Castillo
- Sprache
- Erscheinungsdatum
- 1995
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- (Hardcover)
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