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Droste verstehen

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Sobald man Annette von Droste-Hülshoff mit ihrem vollen Namen nennt, wird man mit (frühen) Leseerfahrungen konfrontiert, die sich auf die (Schul-)Lektüre der Judenbuche beziehen. Das raue Wilderer- und Dorfmilieu sowie die Psychologie des hochstaplerischen Friedrich Mergel überraschen aus der Feder eines »Freifräuleins«, das im biedermeierlichen Luxus lebte. Kaum vorstellbar, dass die Zeitgenossin Heinrich Heines, als unverheiratete Frau, die als (Ton-)Dichterin und Mäzenatin galt, soziale Schichten jenseits der feudalen Obrigkeit erforschte und menschliche Dramen in der verarmten Landbevölkerung aufspürte. Gesellschaftliche Grenzen waren für die »Stockwestfälin« aus dem Münsterland irrelevant, ebenso wie konfessionelle, landessprachliche oder nationale. Als eine der ersten Frauen erhob sie literarischen Anspruch, auch wenn ihre Arbeiten von der männlichen Schreiberschaft ignoriert wurden. Ihre Prosa wechselt zum dokumentarischen Realismus, den damals nur Büchner, Hebbel oder Gotthelf erreichten. Auch in der Lyrik zeigt sie moderne Töne, indem sie »ganz Auge« ist. Stark genug, um »unsre blasierte Zeit mit dem Rücken anzusehn«, war sie sich ihres Nachruhms sicher: »Ich mag und will jetzt nicht berühmt werden, aber nach hundert Jahren möcht ich gelesen werden.«

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Droste verstehen, Gerhard Oberlin

Sprache
Erscheinungsdatum
2023
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Titel
Droste verstehen
Untertitel
Text + Deutung
Sprache
Deutsch
Autor*innen
Gerhard Oberlin
Erscheinungsdatum
2023
ISBN10
3826078047
ISBN13
9783826078040
Reihe
Beschreibung
Sobald man Annette von Droste-Hülshoff mit ihrem vollen Namen nennt, wird man mit (frühen) Leseerfahrungen konfrontiert, die sich auf die (Schul-)Lektüre der Judenbuche beziehen. Das raue Wilderer- und Dorfmilieu sowie die Psychologie des hochstaplerischen Friedrich Mergel überraschen aus der Feder eines »Freifräuleins«, das im biedermeierlichen Luxus lebte. Kaum vorstellbar, dass die Zeitgenossin Heinrich Heines, als unverheiratete Frau, die als (Ton-)Dichterin und Mäzenatin galt, soziale Schichten jenseits der feudalen Obrigkeit erforschte und menschliche Dramen in der verarmten Landbevölkerung aufspürte. Gesellschaftliche Grenzen waren für die »Stockwestfälin« aus dem Münsterland irrelevant, ebenso wie konfessionelle, landessprachliche oder nationale. Als eine der ersten Frauen erhob sie literarischen Anspruch, auch wenn ihre Arbeiten von der männlichen Schreiberschaft ignoriert wurden. Ihre Prosa wechselt zum dokumentarischen Realismus, den damals nur Büchner, Hebbel oder Gotthelf erreichten. Auch in der Lyrik zeigt sie moderne Töne, indem sie »ganz Auge« ist. Stark genug, um »unsre blasierte Zeit mit dem Rücken anzusehn«, war sie sich ihres Nachruhms sicher: »Ich mag und will jetzt nicht berühmt werden, aber nach hundert Jahren möcht ich gelesen werden.«