Seit zwei Jahrhunderten operiert die westliche Philosophie im Schatten von Hegel. Es ist ein sehr langer Schatten, und jede neue Philosophengeneration ersinnt seither neue Wege, um aus ihm herauszutreten. Während die einen dies mittels neuer theoretischer Konzepte versuchen, überziehen die anderen sein Denken schlicht mit Hohn und Spott. »Absurd« nennt nicht nur Bertrand Russell Hegels absoluten Idealismus und sein »System«. Slavoj Žižek unternimmt in seinem monumentalen, vor Ideen nur so sprühenden Buch erst gar nicht den Versuch, aus diesem Schatten herauszutreten, macht es sich aber auch keineswegs darin bequem. Seine Devise lautet nicht: Zurück zu Hegel! Sondern: Wir müssen hegelianischer sein als der Meister selbst, um wie er, allerdings unter völlig veränderten historischen Bedingungen, die Brüche und Verwerfungen in der Realität verstehen und kritisieren zu können. In dieser hyperhegelianischen Manier und mit gewohnt pointierten Abschweifungen in (fast) alle Bereiche von Philosophie, Kunst und Leben liest er nicht nur Hegel selbst, sondern auch dessen Vorgänger (Platon, Christentum, Fichte), Nachfolger (Marx, Badiou, Quantenphysik) und natürlich dessen großen Wiedergänger Jacques Lacan. Das Ziel ist es, Hegels radikal emanzipatorisches Projekt für unsere Zeit zu retten. Denn eines steht für Žižek fest: Die Moderne begann mit Hegel. Und sie wird mit Hegel enden.
Slavoj Žižek Bücher
Slavoj Žižek ist ein slowenischer Philosoph und Kulturkritiker, bekannt für seine innovative Anwendung von Jacques Lacans Werk auf die Populärkultur. Seine umfangreiche Arbeit befasst sich mit einer breiten Palette von Themen, von Politik und Ideologie bis hin zu Subjektivität und Psychoanalyse. Žižeks Essays und Bücher verbinden oft theoretische Konzepte mit der Analyse gegenwärtiger gesellschaftlicher Phänomene und Medien. Sein einzigartiger Stil und provokativer Ansatz machen ihn zu einem der bedeutendsten Denker der Gegenwart.







Die Begegnung von Philosophie und Psychoanalyse verläuft in der Regel nicht gerade glücklich. Philosophen kaprizieren sich meist darauf, unreflektierte Voraussetzungen psychoanalytischer Begriffsbildung zu monieren. Psychoanalytiker hingegen widerstehen häufig nicht der Versuchung, die Philosophie zu psychoanalysieren. Für Slavoj Zizek sind beide Vereinnahmungen nur sichere Wege, eine aufschlußreiche Gegenlektüre gerade zu verhindern. Seine Interpretationen Kants, Fichtes, Schellings und Hegels gehen im Gegenteil darauf hinaus, innerhalb des philosophischen Diskurses ein „Unbewußtes“ auszumachen: Ein „Unbewußtes“, das in den philosophischen Begründungsfiguren idealistischer Theorien des Selbstbewußtseins mit Nachdruck herausgearbeitet wird. Es ist ein mit Lacan gelesener Freud, der die Aufmerksamkeit dafür schärft. Doch ebenso gilt umgekehrt: Es sind die philosophischen Texte, die zentrale Züge von Lacans Theorie erhellen. Eine Begegnung, die durch pointiert interpretierte Beispiele aus der Populärkultur noch an Reiz gewinnt.
Das erhabene Objekt der Ideologie
- 336 Seiten
- 12 Lesestunden
Pandemie! COVID-19 erschüttert die Welt
- 112 Seiten
- 4 Lesestunden
Unser Planet wurde von einer beispiellosen globalen Pandemie erfasst. Wer könnte ihre tiefere Bedeutung besser ergründen, ihre schwindelerregenden Paradoxien besser aufzeigen und über die Folgen und deren Tragweite eindringlicher spekulieren als der einflussreiche slowenische Philosoph Slavoj Žižek – und das auf atemberaubende, schweißtreibende Art und Weise? Wir leben in einer Zeit, in der der größte Ausdruck von Liebe darin besteht, zum Objekt seiner Zuneigung Distanz zu halten; in der Regierungen, die für die rücksichtslose Kürzung öffentlicher Ausgaben bekannt sind, plötzlich wie von Zauberhand Milliarden bereitstellen können; in der Toilettenpapier zu einer Ware wird, die kostbar ist als Diamanten. Es ist eine Zeit, in der, so Žižek, eine neue Form des Kommunismus der einzige Weg sein wird, um den Abstieg in globale Barbarei abzuwenden.Mit seinem lebendigen Schreibstil und Hang zu populärkulturellen Analogien (Quentin Tarantino und H.G. Wells treffen hier auf Hegel und Marx) liefert Žižek eine ebenso scharfsinnige wie provokative Momentaufnahme dieser Krise, die sich mehr und mehr ausbreitet und uns alle erfasst.
Die Analyse von Zizek beleuchtet die Paradoxien des modernen Lebens, das von einem ständigen Streben nach mehr geprägt ist. Er verbindet Lacans Theorie des Überschusses mit Marx' Konzept des Mehrwerts und Freuds Lustgewinn, um die Herausforderungen der heutigen politischen Situation zu verstehen. Anhand von Beispielen aus Hollywood-Filmen wie "Joker", der Corona-Pandemie und der Cancel Culture zeigt Zizek auf, dass das Streben nach mehr Lust oft leer bleibt und dass ein Umdenken nötig ist, um einen Ausweg aus der gegenwärtigen Krise zu finden.
Die Furcht vor echten Tränen
- 351 Seiten
- 13 Lesestunden
Dünndruck-Ausgabe der beiden grundlegenden Bände Slavoj Žižeks zum deutschen Idealismus. Die ersten deutschen Bücher des slowenischen Autors Slavoj Žižek erschienen Anfang der 1990er Jahre bei Turia + Kant. Mit den beiden Bänden »Der erhabenste aller Hysteriker« und »Verweilen beim Negativen« machte er sich über seine damals schon zum Teil bekannte Essayistik hinaus einen Namen und wurde als ausgezeichneter Kenner der klassischen Philosphie wahrgenommen. Die beiden Bände sind hier in einem Band vereint. Durch Žižeks Einbeziehung psychoanalytischer Modelle ergibt sich ein überraschendes Bild v. a. Hegels, das eine Neubewertung des deutschen Idealismus fordert. Umgekehrt wirft die Auseinandersetzung mit der klassischen Philosophie ein neues Licht auf die Methoden und Denkräume der Psychoanalyse. Ein Vorwort Zizeks leitet die Neuauflage des »deutschen Idealismus« von 2008 ein, die nun als Paperback angeboten wird.
Wie kaum ein anderes Werk seiner Zeit veranschaulichen die wohl berühmtesten Filme David Lynchs, Lost Highway (1997) und Mulholland Drive (2001), wie die Geist-Welt Beziehung durch einen sexuellen Exzess immer wieder in Unordnung gebracht wird. Dieser markiert die unsterbliche Dimension einer teils biologischen, teils symbolischen Kraft, die auch in Žižeks Werk thematisiert und dort philosophisch ergründet wird. Der vorliegende Band präsentiert in diesem Zusammenhang erstmals Žižeks viel zitierten Essay über den Kultregisseur sowie zwei Artikel von Dominik Finkelde. In ihnen werden die inhärenten Bezüge zwischen den Subjekttheorien von Lynch und Žižek näher analysiert.
Können die heutigen Katastrophen ein Katalysator für Fortschritt sein? Slavoj Žižek sucht universelle Wahrheiten auf lokalen Schauplätzen in den USA, Chile, Frankreich, Afghanistan und beleuchtet Texte von Orwell und Rammstein, Lenin und der Bibel. Er blickt auf die Zersplitterung der Linken, die leeren Versprechen der liberalen Demokratie und den Krieg in der Ukraine.
In seinem neuen Buch führt Slavoj Žižek das Projekt fort, eine Ideologiekritik der Gegenwart aus kommunistischer Perspektive zu betreiben. Ausgangspunkt ist die Diagnose, dass unsere liberale Kultur nicht einmal mehr an ihre eigenen Überzeugungen glaubt. Unter dem Motto des Apostels Paulus, dass es 'gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs' zu kämpfen gelte, analysiert Žižek mit Parteilichkeit, Leidenschaft und Witz das Versagen der Linken im 20. Jahrhundert. Was kann man daraus lernen, um das linke Projekt für das 21. Jahrhundert zu wappnen? Anstatt der weichen Politik der Vermeidung des Schlimmsten zu folgen, geht es darum, den utopischen Kern einer besseren Gesellschaft zu stärken und dem globalen Kapitalismus eine Alternative entgegenzustellen.


