Der Fokus des Buches verschiebt sich stark zu Kunst, Geld, Alter und Vater-Sohn-Dynamik, während der notorische H.-Sex und die offen depressive Selbstzerlegung eher gedrosselt sind. Die Misère sexuelle und das "mal de vivre" sind zwar da, aber mehr als Hintergrundrauschen einer kapitalistisch durchdesignten Welt, weniger als dauernder Skandal‑Motor wie in AdKZ, PF und ET. H. hängt obsessiv an der französischen Geographie, am "corps social" Frankreichs, an seinen Supermärkten, Provinzen, Architekten, Medienclowns; KuG kreist sehr explizit um Frankreich als touristisches Paradies und um die französische Kunst‑ und Medienblase. Seine Analyse beansprucht den Westen insgesamt, aber die konkreten Referenzen - Philosophen, Maler, Architekten, Fernsehgesichter - sind tief im französischen Kontext verankert und für Nicht‑Franzosen oft namenloses Rauschen. Als Franzosen‑Roman über ein spezifisches Milieu funktioniert das sehr stark, aber wenn man eher eine transnationale, weniger pariszentrische Referenzlandschaft erwartet, wirkt es fast wie eine geschlossene Soziotop‑Studie, in die der Leser von außen hineinguckt. In KuG passt diese Binnenfixierung immerhin zum Programm: ein Künstler, der Frankreich kartiert, eine Nation, die zur durchkommodifizierten Kulisse wird, und ein Autor, der seine eigene Figur samt literarischem Netzwerk in genau dieses Territorium einzeichnet.
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Jed Martin ist Künstler. In seinen Arbeiten stellt er Straßenkarten und Satellitenbilder einander gegenüber. Zum Durchbruch verhelfen ihm jedoch Porträts. Einer der Porträtierten: „Michel Houellebecq, Schriftsteller“. In der Folge wird Jed zu einem der wichtigsten Gegenwartskünstler, Kritik und Publikum liegen ihm zu Füßen, die hübsche Olga verliebt sich in ihn. Doch dann geschieht ein grausames Verbrechen: ein Doppelmord, verübt auf so bestialische Weise, dass selbst die Einsatzkräfte schockiert sind. Im Zuge der Ermittlungen wird auch Jed befragt …Die Kunst, das Geld, die Arbeit, die Liebe zu den Frauen und den Vätern, das Leben bis hin zum – manchmal gewaltsamen – Tod: Das sind die Themen dieses großen Gesellschaftsromans, der in Frankreich als literarische Sensation gefeiert, wurde mit dem Prix Goncourt, dem renommiertesten Literaturpreis des Landes, ausgezeichnet wurde. Karte und Gebiet ist ein doppelbödiges, selbstironisches Vexierspiel, ein altmeisterlicher Geniestreich von überraschender Zartheit, ein gewichtiger Roman, der zugleich wie schwerelos wirkt. Der einstige agent provocateur und selbsternannte „Volksfeind“ erscheint darin gereift und auf so humorvolle Weise melancholisch wie nie. Karte und Gebiet wird nicht nur die Freunde Houellebecqs begeistern, sondern auch manch einen seiner Feinde.
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Karte und Gebiet, Michel Houellebecq
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- Erscheinungsdatum
- 2011
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- (Hardcover)







